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halten zu laſſen. Es ſchiene mir wohl paſſend, daß der Premierminiſter Englands die Genugthuung für den Frevel gebe, durch welchen Eine der liebenswür⸗ digſten Fremden auf den Straßen Londons erſchreckt und beleidigt worden. Dies wäre zugleich für mich ſelbſt die reizendſte Genugthuung von der Welt, denn ich könnte dann vor Ihnen beweiſen, daß ich nicht blos der langweilige und ſteif geharniſchte Politiker bin, ſondern mich auch ein wenig auf die Künſte des Ge⸗ ſchmacks verſtehe. Da aber der große franzöſiſche Hut der Frau Gräfin gewiß am meiſten dazu beige⸗ tragen hat, unſer dummes, abergläubiſches, unwiſſendes und verderbtes Volk, wie Graf Mirabeau das eng⸗ liſche bezeichnet, zu verblüffen und aufzuveizen, ſo ver⸗ gönnen Sie, daß iam Pitt einen kleinen engliſchen Hut, wie er jetzt hier die ſchönſten Häupter ziert, an die Stelle ſetzen darf. Es iſt doch einmal nicht anders, daß jedes Land ſeine eigene Kappe hat, der man nicht nur Rückſicht und Schonung, ſondern auch, ſo lange man im Lande ſelbſt verweilt, ſogar Nachahmung ſchuldig iſt.
Henriette ſah betroffen vor ſich nieder, und ließ dann aus den langen Wimpern einen ſchnellen, fra⸗ genden Blick zu Mirabeau hinüberfliegen, der ſeiner⸗ ſeits noch mit den letzten vieldentigen Aeußerungen Pitt's beſchäftigt ſchien.
Nachdem ſie einen zuſtimmenden Wink von ihm empfangen, verbeugte ſie ſich mit ihrer lieblichen Un⸗ befangenheit gegen den Miniſter, und erklärte, wie ſie mit vielem Bank ſein Anerbieten annehmen werde.
Der Wagen hielt ſtill, und William Pitt, der plötzlich
bemüht war, ſich als leichten Cavalier zu gebärden, reichte.
der Frau von Nehra ſeinen Arm, indem er ſie dann mit aller Verbindlichkeit in das Magszin geleitete. Das Ausſuchen des Hutes, worin Pitt einen ziem⸗


