Teil eines Werkes 
1. Theil (1860)
Entstehung
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auf die Vewaltung ausgedehnt würden, und wenn die Uebel und Schäden, die bei Euch Engländern noch in Euerer verrotteten Adminiſtration ſtecken, einſt auch von dem belebenden Freiheitshauch Euerer Staats⸗ verfaſſung durchdrungen und hinweggeweht werden könnten?*) Welch ein Bollwerk aber die engliſche Verfaſſung gegen alle Zufälligkeiten und Schwächen der regierenden Perſonen iſt, kann uns die heutige Situation Englands mehr als je beweiſen. Die Ver⸗ faſſung iſt die Geſundheit Englands, und wenn auch ſein Oberhaupt an Geiſt und Körper krank dahin ſiechen ſollte. Man erzählt von Euerem König Georg II., daß ſein Geiſt ſich oft in Fin zu verhüllen be⸗ ginne, und daß vielleicht die tdes Wahnſinns einmal ganz den Thron Engla bedecken könne? Aber was würde das dem Lande, dem Volke, dem Wohlbefinden Aller ſchaden? Euere Verfaſſung lebt und arbeitet durch ſich ſelbſt auf das Beſte, ſie iſt klar und vernünftig, wenn auch auf dem Thron Alles dunkel und verſtandlos ſein ſollte, und ſie iſt und bleibt die ſegenſpendende Macht, wenn auch an der Spitze des Staats die Ohnmacht ſelbſt regierte. Dies iſt ein glücklicher Zuſtand, und wenn Georg III., wie Fama hinterbringt, beim Zeitungsleſen ſtets ſeine Auf⸗ merkſamkeit verliert und einſchläft, ſo iſt dies die wahre Staatsidylle und charakteriſirt Ener politiſches Paradies. Wohl dem Volke, deſſen König beim Zei⸗ tungsleſen ruhig einſchläft und dem es gleichgültig ſein kann, ob ſein Monarch den Welthändeln gegen⸗ über ſchläft oder wacht!

Das Geſicht des engliſchen Miniſters hatte ſich bei dieſen Worten Mirabeau's ſichtlich verfinſtert Ein

3) Lettres à Chamfort p. 69. und in der Schrift Mirabeau's über die lettres de cachet, wie auch in den Considérations sur l'ordre de Cincinnatus.