Aber Henriette ſchmollte ſo lange mit Mirabeau, bis er ſich entſchließen mußte, auch das leicht gekrauſte, gepuderte Toupet nebſt Haarbeutel, welches er in Paris ſeit einigen Jahren nur noch ſelten und bei beſonderen Veranlaſſungen zu benutzen pflegte, zur feierlichſten Vollendung ſeiner Toilette anzulegen. Denn ſie meinte mit ihrer liebenswürdigen Schalkheit, einem König gegenüber, und noch dazu einem ſo großen und be⸗ rühmten, dürfe er doch nicht der mit der Mähne flatternde Wildfang ſein, ſondern müſſe ſich fein ehr⸗ bar und ordentlich darſtellen, wenn er es auch ganz und gar nicht ſei.
Wabeun gab ſich mit einer gewiſſen Gutmüthig⸗ keit gefangen, obwohl er meinte, daß es ihm eigentlich darauf angekommen ſei, grade einem König gegenüber die freie Mähne zu zeigen. Dann hing ihm Henriette, nachdem ſie lächelnd ihre Zufriedenheit mit ſeiner Coiffüre erklärt, die Lorgnette um den Hals, die ſein unentbehrlicher Gefährte war und mit der er, wenn er ſie nicht vor den Augen hielt, in ſeiner Lebhaftigkeit unaufhörlich zu ſpielen und hin⸗ und herzudrehen pflegte, ſo daß ſie ein unveräußerliches Beſtandſtück ſeiner Ge⸗ wohnheiten und Manieren geworden war.*)
Die Extrapoſt, welche ſich Graf Mirabeau für ſeine Reiſe nach Potsdam hatte beſtellen laſſen, wartete ſchon unten auf ihn, und ſeine Freundin, nachdem ſie ganz ſtolz ihr Werk an ihm vollendet hatte, geleitete ihn nun bis an den Wagen. Die Reiſe wurde mit ſo großer Eile zurückgelegt, als es die ſchlechte Fahrſtraße zwiſchen Berlin und Potsdam nur irgend zulaſſen wollte, doch ſah ſich Mirabeau gerade um die von dem
) Vgl. Rahel. Ein Buch des Andenkens II. 65. Rahel ſchilbert die Perſönlichkeit Mirabeau's, wie ſie ihn ſelbſt damals in Berlin geſehen.


