Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3

mußte. Er ſchob faſt alle andern Beſuche, die er ſich in Berlin zu machen vorgeſetzt, bis nach ſeiner Rück⸗ kehr aus Potsdam auf. Nach den Eindrücken und Hoffnungen, mit denen er von dieſem Beſuch bei Frie⸗ drich dem Großen zurückkehren würde, glaubte er dann erſt die Richtung, in welcher er in Berlin ſich weiter ausbreiten und fortbewegen wollte, ſich beſtimmter vor⸗ zeichnen zu können. Nur bei dem Miniſter von Hertz⸗ berg hatte er ſeinen Empfehlungsbrief abgegeben und war von dieſem vielverdienten und hochgebildeten Staatsmanne noch an demſelben Tage mit der ein⸗ fachen und ſchlichten, gewiſſermaßen patriarchaliſchen Liebenswürdigkeit, die in Hertzberg's Weſen lag, em⸗ pfangen worden.

Jetzt aber war der glühend erſehnte Tag herange⸗ kommen, an dem Mirabeau in die Nähe Friedrichs des Großen treten, ſeine Stimme vernehmen, ſein Angeſicht ſich nahe gegenüber leuchten ſehen ſollte. Henriette, die ihm, wie immer, bei ſeiner Toilette be⸗ hülflich war, glaubte dieſelbe heut beſonders feſtlich einrichten zu müſſen, aber Mirabeau beſtand darauf, daß ſeine Kleidung die gewöhnliche und einfache ſein müſſe, wie er ſie auch in der vornehmen Geſellſchaft von Paris nicht anders zu tragen pflegte. Es war dies der ſchwarze Frack im engliſchen Schnitt, welchen Mirabeau in der letzten Zeit ausſchließlich getragen, und zu dem weder Gold noch Silber noch irgend eine Stickerei hinzugefügt werden durfte. Dazu gehörten Schuhe und Strümpfe, und was die erſteren betraf, ſo hatte Meiſter Sommerbrodt nicht nur redlich Wort gehalten, indem er ſchon am frühen Morgen das bei ihm beſtellte Exemplar überbrachte, ſondern er hatte auch die feinſte und vollendetſte Arbeit geliefert, um, wie er ſagte, Berlin wenigſtens im Schuhzeug nicht hinter Paris zurückſtehen zu laſſen.