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Sie war ſo eingeſchüchtert, wie man es durch das Glück ſein kann. Sie ſtammelte, ganz blas, ganz roth, wollte ſich Marius in die Arme werfen und wagte es nicht. Sie ſchämte ſich, vor allen den Leuten zu lieben. Man iſt ohne Mitleid für glücklich Liebende, man bleibt zugegen, wenn
ſie das größte Verlangen fühlen, allein zu ſein. Sie be⸗
dürfen indeß doch der Menſchen durchaus nicht.
Mit Coſette und hinter ihr war ein Mann mit weißem Haar eingetreten, ernſt, dennoch lächelnd, aber ſein Lächeln war flüchtig und ſchmerzlich. Es war Fauchelevent; es war Jean Valjean.
Er war ſehr gut gekleidet, wie der Portier geſagt hatte, völlig ſchwarz und nur mit weißer Halsbinde.
Der Portier war tauſend Meilen weit davon entfernt, in dieſem achtungswerthen Bürger, dieſem wahrſcheinlichen Notar, den entſetzlichen Leichenträger wieder zu erkennen, der in der Nacht des 7. Juni vor ſeiner Thür erſchienen war, zer⸗ lumpt, kothig, entſetzlich, irre, das Geſicht mit Blut und Schmutz bedeckt und in ſeinen Armen den ohnmächtigen Marius tragend; dennoch war ſeine Witterung als Portier erweckt. Als Herr Fauchelevent mit Coſette gekommen war, konnte der Portier ſich nicht enthalten, ſeiner Frau im Ver⸗ trauen zuzuflüſtern:„ich weiß nicht, weshalb ich mir immer vorſtelle, als hätte ich das Geſicht ſchon geſehen.“
Herr Fauchelevent blieb in Marius Zimmer neben der Thür bei Seite ſtehen. Er trug unter dem Arme ein Päckchen, das einem Octavbande glich und in Papier ein⸗ gewickelt war. Das Papier der Umhüllung ſah grünlich aus und ſchien vermodert zu ſein.
„Hat der Herr immer ſo Bücher unter dem Arme?“ fragte mit leiſer Stimme Nicolette das Fräulein Gillenor⸗ mand, welches die Bücher nicht liebte.
„Ja wohl,“ entgegnete mit gleichem Tone Herr Gillenor⸗ mand, der ſie gehört hatte,„er iſt ein Gelehrter. Was


