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Dieſer Punkt der Seine iſt von den Schiffern ge⸗ fürchtet. Nichts iſt gefährlicher, als dieſe Strömung, die damals durch die Räder der jetzt zerſtörten Mühle ver⸗ ſtärkt wurde. Die beiden einander ſo nahe liegenden Brücken vermehrten die Gefahr, das Waſſer ſtürmte rau⸗ ſchend unter den Brückenbogen hindurch. Die Menſchen, welche da hineinſtürzen, kommen nicht wieder zum Vorſchein; der beſte Schwimmer ertrinkt hier.
Javert ſtützte ſeine beiden Ellenbogen auf die Brüſtung, das Kinn in beide Hände, und während ſeine Nägel ſich unwillkürlich in ſeinen dichten Backenbart vergruben, dachte er nach.
Etwas Neues, eine Revolution, eine Kataſtrophe war in ſeinem tiefſten Innern vorgegangen; es gab da wohl Grund, ſich ſelbſt zu prüfen.
Javert litt entſetzlich.
Seit einigen Stunden hatte Javert aufgehört, einfach zu ſein. Er war verwirrt; dieſes Hirn, ſo klar in ſeiner Kurzſichtigkeit, hatte ſeine Durchſichtigkeit verloren; es ſchwebte eine Wolke in dieſem Kryſtall. Javert fühlte in ſeinem Gewiſſen ſeine Pflicht ſich ſpalten und konnte ſich dies nicht verhehlen.
Als er ſo ganz unerwartet Jean Valjean auf dem Damme der Seine traf, lag in ihm etwas von dem Wolf, der ſeine Beute, und von dem Hunde, der ſeinen Herrn wiederfindet.
Er erblickte vor ſich zwei Wege, die beide gleich gerade waren; aber er ſah zwei, und das erſchreckte ihn. Er, der in ſeinem ganzen Leben ſtets nur eine gerade Linie gekannt hatte. Und es war etwas Peinigendes— dieſe beiden Wege waren einander entgegengeſetzt. Die eine dieſer beiden geraden Linien ſchloß die andere aus. Welche mochte die wahre ſein?
Seine Lage war unausſprechlich.
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