Teil eines Werkes 
4. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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„Ich brauche nur zu ſchreien, ſo kommt man, Patatras. Ihr ſeid Euer Sechs. Ich bin die ganze Welt.“

Thénardier macht eine Bewegung gegen ſie hin.

„Nicht näher!“ rief ſie.

Er blieb ſtehen und ſagte ſanft:

„Nun gut, nein, ich komme nicht näher. Aber ſprich nicht ſo laut. Meine Tochter, Du willſt uns alſo verhin⸗ dern, zu arbeiten? Wir müſſen aber gleichwohl für unſer Leben ſorgen. Haſt Du denn keine Freundſchaft mehr für Deinen Vater?“

„Ihr langweilt mich,“ ſagte Eponine.

„Wir müſſen aber doch leben, wir müſſen eſſen.“

„Crepirt!“

Nachdem ſie dies geſagt hatte, ſetzte ſie ſich auf die Stützmauer des Gitters nieder und trällerte:

Mein Arm ſo rund, Mein Fuß ſo fein— Soll da die Zeit verloren ſein?

Sie hatte den Ellenbogen auf die Knie und das Kinn in die Hand geſtützt und ſchaukelte mit gleichgültigem Weſen den Fuß. Ihr durchlöchertes Kleid ließ ihre mageren Knö⸗ chel ſehen. Die nächſte Straßenlaterne beleuchtete ihr Ge⸗ ſicht und ihre Haltung. Man konnte nichts Entſchloſſeneres und Eigenthümlicheres ſehen.

Die ſechs Schelme, welche ſprachlos und mürriſch dar⸗ über waren, durch ein Mädchen in Schach gehalten zu werden, traten unter den Schatten der Laterne und beriethen ſich achſelzuckend, gedemüthigt und wüthend mit einander.

Sie blickte mit friedlichem, aber wildem Weſen auf ſie.

„Sie hat Etwas,“ ſagte Babet.„Einen Grund. Iſt ſie verliebt in den Cab? Es iſt aber doch ſchade, das zu verfehlen. Zwei Weiber, ein Alter, der in dem Hinter⸗ gebäude wohnt, und nicht ſchlechte Vorhänge an den Fenſtern.