Teil eines Werkes 
3. Abt., 1. Bd. (1863)
Entstehung
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Man gebe einem Geſchöpf das Unnöthige und nehme ihn das Nothwendige, ſo hät man einen Gamin.

Der Gamin iſt nicht ohne einen literariſchen Anſtrich. Seine Neigung, das müſſen wir mit gebührendem Bedauern ſagen, iſt nicht eben der klaſſiſche Geſchmack. Seiner Natur nach iſt er nicht ſehr wähleriſch. So müſſen wir z. B. er⸗ wähnen, daß die Beliebtheit der Madmoiſelle Mars bei dieſem kleinen ſtürmiſchen Kindervolke mit einer gewiſſen Fronie gemiſcht war. Der Gamin nannte ſie Madmoiſelle Muche.

Dieſes Geſchöpf brüllt, ſchreit, prügelt, hat Flitter wie ein Säugling und Lumpen wie ein Philoſoph; fiſcht in dem Rinnſtein, jagt in der Cloake, zieht die Luſtigkeit aus dem Kothhaufen, peitſcht mit ſeinem Witze die Kreuzwege, lacht und beißt, pfeift und ſingt, jubelt Beifall und verhöhnt, findet ohne zu ſuchen, weiß, was es nicht gelernt hat, iſt ſparſam bis zur Gaunerei, wahnſinnig bis zur Weisheit, lyriſch bis zum Schmutze, ſetzt ſich auf den Olymp, wälzt ſich auf dem Miſthaufen umher und verläßt ihn mit Sternen bedeckt. Der Gamin von Paris iſt der kleine Rabelais.

Er iſt mit ſeiner Hoſe nicht zufrieden, wenn dieſe keine Uhrtaſche hat.

Er wundert ſich wenig, erſchreckt noch weniger, beſpöttelt den Aberglauben, verkleinert die Uebertreibungen, beleuchtet die Geheimniſſe, ſtreckt gegen die Geiſter die Zunge heraus, entpoetiſirt die höheren Regionen, miſcht die epiſchen Gedichte mit Carikaturen. Er wird deshalb nicht proſaiſch. Keines⸗ wegs; allein er ſetzt an die Stelle der feierlichen Viſion die poſſenhafte Phantasmagorie.