Teil eines Werkes 
2. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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Giftmiſcher, Brandſtifter, Mörder. Was hatten dieſe Frauen gethan? Sie hatten nichts verbrochen.

Auf der einen Seite Räubereien und alle Arten von Verbrechen, auf der andern die Unſchuld.

Auf der einen Seite leiſe geflüſterte Geſtändniſſe von Verbrechen, auf der andern laut ausgeſprochene Beichten von Fehler. Und was für Verbrechen! Und was für Fehler!

Auf der einen Seite Miasmen, auf der andern unaus⸗ ſprechlicher Wohlgeruch. Auf der einen die moraliſche Peſt, ſtreng bewacht, auf der andern ein keuſches Beiſammenſein aller Seelen in demſelben Raume. Dort Finſterniß, hier Dunkelheit, aber eine Dunkelheit voll Licht und Licht voll Glanz.

Zwei Orte der Sklaverei, aber an dem erſten mit der Möglichkeit der Befreiung, einer geſetzlichen Grenze, die man ſtets vor Augen hatte, oder der Ausſicht auf Flucht, an dem andern ewige Dauer, als einzige Hoffnung die ferne Ausſicht auf die Zukunft, der Strahl der Freiheit, welchen die Menſchen den Tod nennen.

An dem erſten Orte war man gefeſſelt durch Ketten, an dem andern trug man die Feſſeln des Glaubens.

Was entwickelt ſich aus dem erſten Orte: Eine gewal⸗ tige Flucht, Zähneknirſchen, Bosheit, Wuthgeſchrei gegen die ganze menſchliche Geſellſchaft, Verſpottung des Himmels.

Was ging aus dem zweiten hervor: Segen und Liebe.

An dieſen beiden Orten, einander ſo ähnlich und doch verſchieden, vollbrachten dieſe beiden ſo von einander ab⸗ weichenden Gattungen daſſelbe Werk: die Sühne.

Jean Valjean begriff wohl die Sühne der erſteren, die perſönliche, die Büßung für ſich ſelbſt, aber er begriff nicht die andere, dieſe tadelloſen, unſchuldigen Geſchöpfe und fragte ſich zitternd:Für was büßen ſie?

Eine Stimme antwortete in ſeinem Gewiſſen:Für Andere!

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