Teil eines Werkes 
2. Abt., 2. Bd. (1863)
Entstehung
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Uebrigens hat Gott ſeine eigenen Wege; das Kloſter trug gleich Coſette dazu bei, in Jean Valjean das Werk des Biſchofs zu erhalten und zu vervollſtändigen. Gewiß iſt, daß eine der Seiten ſeiner Tugenden ſich zum Stolze neigte. Das iſt eine Brücke, welche der Teufel ſich baut. Jean Valjean war, vielleicht ohne es zu wiſſen, dieſer Seite und dieſer Brücke ziemlich nahe, als die Vorſehung ihn in das Kloſter des Klein⸗Picpus warf. So lange er ſich nur mit dem Biſchof verglichen hatte, fand er ſich unwürdig und war demüthig; ſeit einiger Zeit aber begann er ſich mit den Menſchen zu vergleichen und der Stolz erwachte in ihm. Wer weiß, ob er nicht allmälig wieder ganz zu dem Haſſe zurückgekehrt wäre.

Das Kloſter hielt ihn auf dieſem Abhange auf.

Es war der zweite Ort der Gefangenſchaft, den er ſah. In ſeiner Jugend, zu jener Zeit, die für ihn der Anfang des Lebens geweſen war, und ſpäter noch ganz kürzlich, hatte er einen andern Ort geſehen, einen entſetzlichen furchtbaren, deſſen Strenge ihm ſtets als die Ungerechtigkeit der Gerech⸗ tigkeit, als das Verbrechen des Geſetzes erſchien. Jetzt ſah er nach dem Bagno das Kloſter, und indem er daran dachte, daß er im Bagno geweſen war und jetzt ſo zu ſagen ſich im Kloſter befand, prüfte er ſeine Gedanken voll Be⸗ ſorgniß.

Zuweilen ſtützte er ſich auf ſeinen Spaten und vertiefte ſich in Träumereien. Er erinnerte ſich an ſeine ehemaligen Genoſſen; an ihr Elend; ſie ſtanden mit Tagesanbruch auf und arbeiteten bis in die Nacht; kaum gönnte man ihnen den Schlaf. Sie ſchliefen auf Pritſchen und in Sälen, die nur während der kälteſten Monate des Jahres geheizt wurden. Sie trugen abſcheuliche rothe Jacken. Man ge⸗ währte ihnen aus Gnade bei der großen Hitze eine Lein⸗ wandhoſe und eine Wollendecke auf den Rücken bei der großen Kälte. Sie hatten keinen Namen, wurden nur durch

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