ie
das Kind nicht verletzen konnte, befeſtigte an dieſer Hals⸗ binde ein Ende des Strickes mit jenem Knoten, den die Seeleute Schwalbenknoten nennen, nahm das andere Ende des Strickes zwiſchen die Zähne, zog ſeine Schuhe und ſeine Strümpfe aus, warf ſie über die Mauer, erkletterte jenes dreieckige Mauerwerk und begann, ſich in der Ecke der Mauer und des Giebels mit ſo viel Feſtigkeit und Sicher⸗ heit zu erheben, als ob er die Sproſſe einer Leiter unter den Abſätzen und den Ellenbogen hatte. Noch war keine halbe Minute verfloſſen, und ſchon lag er auf den Knien auf der Mauer.
Coſette betrachtete ihn voll Staunen, ohne ein Wort zu ſprechen. Die Ermahnung Jean Valjeans und der Name Thénardier hatten ſie erſtarrt.
Plötzlich hörte ſie, wie Jean Valjean ihr ganz leiſe zuflüſterte:„Stütze Dich an die Mauer!“
Sie gehorchte.
„Sprich kein Wort und fürchte dich nicht, fuhr Jean Valjean fort.
Sie fühlte, daß Sie vom Boden gehoben wurde.
Ehe ſie noch Zeit gehabt hatte, ſich zu beſinnen, war ſie ſchon oben auf der Mauer.
Jean Valjean ergriff ſie, legte Sie auf ſeinen Rücken, nahm ihre beiden kleinen Hände in ſeine linke Hand, legte ſich flach auf den Bauch und kroch ſo oben auf der Mauer hin. Wie er es vermuthet hatte, lag hier in einiger Ent⸗ fernung ein Gebäude, deſſen Dach von dem hölzernen Ver⸗ ſchlage, welchen er für eine Thür gehalten hatte, ausging und bis ziemlich nahe zum Boden hinabreichte, indem es die erwähnte Linde ſtreifte.
Das war ein glücklicher Gedanke, denn die Mauer zeigte ſich auf dieſer Seite viel höher wie auf der Straßenſeite. Jean Valjean bemerkte den Boden nur ſehr tief unter ſich.
Eben hatte er die flache Senkung des Daches erreicht


