8 ſchreibt mit dem alten Paris vor den Augen, in einer Illu— ſion, die ihm theuer iſt.
Es iſt daher geſtattet, von der Vergangenheit wie von der Gegenwart zu ſprechen. Wir bitten die Leſer darauf zu achten und fahren nun fort:
Jean Valjean hatte ſogleich den Boulevard verlaſſen und war in die Straße getreten, indem er ſo viel als möglich gebrochene Linien verfolgte, auch dabei zuweilen zurückkehrte, um ſich zu überzeugen, daß er nicht verfolgt würde.
So bäumt ſich der gehetzte Hirſch. Auf einem Boden, auf welchen der Schuh ſich eindrücken kann, hat dieſes Manöver auch den Vortheil, die Jäger und die Hunde durch die Rückſpuren irre zu machen.
Es war eine mondhelle Nacht. Jean Valjean war darüber nicht bös. Der Mond, der noch tief am Horizont ſtand, bildete in den Straßen dunkle Schatten und helle Lichtſtreifen. Jean Valjean konnte an den Häuſern und Mauern entlang auf der dunklen Seite hinſchlüpfen und die Helle beobachten. Er überlegte dabei vielleicht nicht hin⸗ länglich, daß die dunkle Seite ihm entging. Dennoch glaubte er in all den öden Gäßchen zunächſt der Rue de Poliveau gewiß zu ſein, daß Niemand hinter ihm herkam.
Coſette ging ohne Fragen zu thun; die Leiden der ſechs erſten Jahre ihres Lebens hatten ihrer Natur etwas Paſſives verliehen. Ueberdies war ſie— und das iſt eine Bemerkung, auf die wir mehrmals werden zurückkommen müſſen— bereits, ohne ſich darüber Rechenſchaft zu geben, an die Sonderbarkeiten des guten Alten und an die Eigenthümlich⸗ teiten des Schickſals gewöhnt. Dann fühlte ſie ſich auch vei ihm ſicher.
Jean Valjean wußte ebenſowenig wie Coſette, wo er ſich befand. Er vertraute ſich Gott an, wie ſie ſich ihm. Ihm ſchien, als hielt er ein größeres Weſen, wie er ſelbſt
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