Teil eines Werkes 
5.-10. Bdchn (1851)
Entstehung
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unterrichtet? Sollte ich zufällig von meinen Brüdern beſpäht werden?

Ohl beruhigen Sie ſich, mein Herr. Ich bin kein Polizeiagent, und ich behaupte nicht, daß ich Alles wiſſe. Meinen Freunden und Glaubensgenoſſen will ich und muß ich nur die Wahrheit ſagen. Meine Nachrichten über Sie beſchränkten ſich auf das, was ich Ihnen geſagt habe. Ich weiß, daß Sie Mitglied von zwei geheimen Geſellſchaften ſind. Glauben Sie nicht, man beſpähe Sie. Durch Zu⸗ fall und bei Gelegenheit einer anderen Perſon habe ich in Erfahrung gebracht, was Sie in Erſtaunen zu ſetzen ſcheint. Von Ihcem Leben und von Ihrer Vergangenheit weiß ich nichts und will ich nichts wiſſen. Es verſteht ſich übrigens von ſelbſt, vurch das, was wir erfahren, ha⸗ ben Sie nichts in der Achtung von Jedem von uns ver⸗ loren, im Gegentheil, Sie haben nur dabei gewinnen kön⸗ nen, daß Sie zugleich bei zwei Geſellſchaften ſind, welche venſelben Zweck dieſſeits und jenſeits des Rheins verfolgen. Doch kommen wir auf den Gegenſtand, der mich hierher führt; ich habe einen Dienſt von Ihnen zu verlangen.

Sprechen Sie, mein Herr.

Zugleich erſchreckt und gefeſſelt, ſah indeſſen Friedrike voll Bangigkeit alle Geheimniſſe vor ihr öffnen, welche ihr Samuel verborgen hatte. Aber was war zu thun? Sie hatte ſchon zu viel gehört, um ſich zeigen zu können.

Der Unbekannte fuhr fort:

Beſonders wegen des Zuſammenhangs, den Sie mit dem Tugendbund unterhalten haben, und wegen des hohen Ranges, den Sie bei demſelben einnahmen, wie man mir geſagt hat, wollte ich eine münvliche Unterredung mit Ih⸗ nen pflegen. Sie wiſſen, was der eigentliche Carbonaris⸗ mus vor ein paar Jahren durch ſeine Verſchmelzung mit dem Bunde der Ritter der Freiheit gewonnen hat. Das Bündniß und die Einheit des franzöſiſchen Liberalismus ſind von da an gegründet geweſen, und man hat handeln können und wird in einem gegebenen Augenblick gemein⸗