„Es iſt kein Gift. Es iſt der Saft von gewiſſen Blumen, die Du ſehr liebſt, und mit denen Du mich zu beleidigen gewagt haſt. Es iſt ein Elirier, durch das die roncentrirten Mächte der Natur die entſchlummerten Mächte des Lebens erwecken. Die Liebe ſchlief in Dir, ich habe ſie aufgeweckt, das iſt es.“
„Ah! die Blumen haben mich verrathen!“ rief Gret⸗ chen mit ſchmerzlichem Tone.
Dann heftete ſie auf Samuel einen mehr ſchwermü⸗ thigen als zornigen Blick, und fügte bei:
„Ich ſehe, daß Du wahr ſprichſt, denn meine Mutter ſagte mir, die Liebe ſei das Leiden, und ich leide.“
Und ſie verſuchte es immer, zu fliehen.
Samuel näherte ſich nicht. Er war ſo unbeweglich, daß man ihn ohne die Flamme ſeiner in der Dunkelheit glühenden, entzündeten Augen für eine Statue hätte hal⸗ ten können.
„Wenn Du leideſt,“ ſagte ex,„warum verlangſt Du nicht von mir, daß ich Dich heile?“
Er ſprach dies mit einer ſanften und zugleich eindring⸗ lichen Stimme, welche alle ſchmerzliche Fibern von Gret⸗ chen in Bewegung ſetzte. Sie machte einen Schritt gegen ihn, dann einen andern, dann einen dritten. Doch plötzlich floh ſie erſchrocken.
„Nein! nein! nein! ich will nicht! Du biſt ein ent⸗ ſetzlicher und verfluchter Mann. Du willſt mein Verder⸗ ben, aber Du haſt mich nicht.“
„Ich wiederhole Dir, daß ich nicht einen Schritt zu Dir machen werde. Du ſiehſt wohl, daß ich mich nicht nähere. Wäre ich nicht, wenn ich wollte, mit drei Sprüngen Deiner Meiſter? Aber ich ziehe es vor, Deinen Willen abzuwarten.“ ch habe Durſt,“ ſagte Gretchen. Dann fragte ſie mit demüthigem, ſchmeichelndem Ton: „Iſt es wahr, daß Du mich heilen kannſt?“ „Vielleicht,“ antwortete Samuel.


