Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1851)
Entstehung
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Und nun haben wir bis zum Morgen den Regen, zu dem es ſich anſchickt, in Empfang zu nehmen, und welch ein Regen! Halt, da find die erſten Tropfen Lache doch, Du, der Du über Alles lachſt.. wenigſtens wie Du behaupteſt.

Und warum ſollte ich nicht lachen? verſetzte Sa⸗ muel.Iſt es nicht etwas Lächerliches, einen großen, zwanzigjährigen Burſchen, einen Heidelberger Studenten klagen zu hören wie eine Schäferin, die ihre Herde nicht mehr zu rechter Zeit hereingebracht hat. Lachen! dabei wäre ein ſchönes Verdienſt! Ich will etwas Beſſe⸗ res thun als lachen, mein lieber Julius, ich will ſingen.

Und der junge Mann fing wirklich an mit einer rauhen, vibrirenden Stimme die erſte Strophe von irgend einem bizarren Liede zu ſingen, deſſen Vorzüge offenbar der augenblicklichen Lage zuzuſchreiben waren.

Was kümmr' ich mich um dieſen Regen, Der wie des Himmels Schnupfen fließt? Was iſt er gegen bittre Thränen, Die ein bekümmert Herz vergießt.

Als Samuel das letzte Wort ſeiner Strophe und die letzte Note ſeiner Melodie endigte, zerriß gerade ein unge⸗ heurer Blitz von einem Ende des Horizonts zum andern den über die Oberfläche des Himmels, von der Hand des Sturmes, ausgebreiteten Wolkenſchleier und übergoß mit einem glänzenden, ſcharfen Scheine die zwei Reiter.

Beide ſchienen von demſelben Alter, das heißt, neun⸗ zehn bis einundzwanzig Jahre alt zu ſeyn, doch hierauf beſchränkte ſich die Aehnlichkeit.

Elegant, blond, bleich, mit blauen Augen, war der Eine, der Julius ſeyn mußte, von mittlerem Wuchſe, aber bewundernswürdig gebaut. Man hätte glauben ſollen, es wäre Fauſt als Jüngling.

Groß und mager, mit ſeinem grauen, ſchillernden