Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1851)
Entstehung
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ſchwankenden, dem Einſturze nahe gebrachten Berg zu

erklettern; und ſo oft ein ſolcher Wetterwirbel von der

Erde zum Himmel aufſtieg, brachen die erſchütterten Fel⸗

ſen aus ihren Granitladen und rollten geräuſchvoll in die

Abſtürze, und die hundertjährigen Bäume riſſen ſich ent⸗ wurzelt von ihrer Baſe los und warfen ſich, wie ver⸗

zweifelte Taucher, köpflings in den Abgrund.

Es gibt nichts Schrecklicheres, als die Zerſtörung in der Dunkelheit; nichts Fürchterlicheres, als das Ge⸗ räuſch in der Finſterniß. Wenn der Blick die Gefahr

nicht berechnen kann, ſo wächſt dieſe übermäßig, und die

erſchreckte Einbildungskraft ſpringt über die Gränzen des

Möglichen hinaus.

Plötzlich hörte der Wind auf, erloſchen die Ge⸗

räuſche. Alles ſchwieg, Alles hlieb unbeweglich; die keu⸗

¹ chende Schöpfung wartete auf den Sturm.

3 Mitten unter dieſem Stillſchweigen machte ſich eine

Stimme hörbar, es war die von einem der beiden

Reiter. Bei Gott! Samuel, ſagte er,es eine un⸗

glückliche Idee von Dir, daß Du uns Erbach zu dieſer Stunde und bei dieſem Wetter verlaſſen ließeſt. Wir waren in einem vortrefflichen Gaſthauſe, wie wir keines in den acht Tagen, ſeit dem wir von Frankfurt abge⸗ reiſt ſind, gefunden hatten. Es ſtand Dir die Wahl frei zwiſchen Deinem Bett und dem Sturm, zwiſchen einer Flaſche vortrefflichem Hochheimer und einem Winde, gegen den der Sirveco und der Samum Zephyre ſind, und Du nimmſt den Sturm und den Wind! Hollah! 3 hollah! unterbrach ſich der junge Mann, um ſein Pferd feſtzuhalten, das einen Seitenſprung machte. Dann fuhr er fort:Wenn uns nur etwas Angenehmes zur Eile antreiben würde, wenn wir zu einem reizenden Rendez⸗ vous gingen, wo wir zugleich den Sonnenaufgang und das Lächeln einer Geliebten finden ſollten... Aber die Geliebte, mit der wir uns wiederzuvereinigen im Be⸗

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