Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn (1851)
Entstehung
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Lied während des Sturmes.

Wer waren die zwei Reiter, die ſich in der Nacht des 18. Mai 1810 unter den Schluchten und Felſen des Odenwalds verirrt hatten? Das hätten in einer Entfer⸗ nung von vier Schritten ihre vertrauteſten Freunde nicht ſagen koͤnnen, ſo tief war die Finſterniß. Vergebens würde man am Himmel einen Mondſtrahl, ein Funkeln der Sterne geſucht haben: der Himmel war ſo düſter als die Erde, und die großen Wolken, die an ſeiner Ober⸗ fläche hinrollten, ſchienen ein umgekehrter, die Welt mit einer neuen Sündfluth bedrohender Ocean zu ſeyn.

Eine verworrene Maſſe, die ſich an den Flanken einer unbeweglichen Maſſe bewegte, das war Alles, was ein in der Finſterniß noch ſo ſehr geübtes Auge von den zwei Reitern zu unterſcheiden vermocht hätte. In Augen⸗ blicken vermiſchte ſich ein Gewieher des Schreckens mit dem Pfeifen der Windſtöße in den Tannen; eine Hand⸗ voll Funken ſpraug durch die Hufe der ſtolpernden Roſſe den Kieſelſteinen entriſſen empor, und das war Alles, was man von den Reiſegefährten ſah, und Alles, was man von ihnen hoͤrte.

Der Sturm rückte immer näher heran. Große Staubwirbel blendeten die Reiſenden und ihre Roſſe. Wenn der Orkan ſo vorüberzog, krümmten ſich die Aeſte und ächzten; Klagetöne liefen durch die Tiefe des Thales

und ſchienen dann, von Fels zu Fels ſpringend, den