Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn (1850)
Entstehung
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will ich Geld ſuchen, um nach Mannheim zurückzu⸗ kehren.

Rach Mannheim? ah! Sie ſind von Mannheim?

Nein, mein Herr, ich bin nicht von Mannheim, aber ich wohne, in Mannheim: meine Braut iſt in Mannheim; ſie erwartet mich, und ich kehre nach Mann⸗ heim zurück, um ſie zu heirathen.

Ah! machte der Wechsler.

Dann, als der junge Mann die Hand ſchon auf dem Knopf der Thüre hatte, fragte der Wechsler:

Kennen Sie in Mannheim einen alten Freund von mir, einen alten Muſiker 7

Namens Gottlieb Murr 2 rief Hoffmann.

Ganz richtig, Sie kennen ihn?

Ob ich ihn kenne! ich glaube wohl, da ſeine Tochter meine Braut iſt.

Antonia! rief der Wechsler.

Ja, Antonia, antwortete Hoffmann.

Wie, junger Mann, im Antonia zu heirathen, wollten Sie nach Mannheim. zurückkehren?

Gewiß.

So bleiben Sie in Paris, denn Sie würden eine vergebliche Reiſe machen.

Warum?

Ich habe hier einen Brief von ihrem Vater, der

mir mittheilt, daß Antonia vor acht Tagen, um drei Uhr Nachmittags, plötzlich, während ſie Harfe ſpielte, geſtorben iſt.

Das war gerade der Tag, an welchem Hoffmann zu Arſene ging, um ihr Portrait zu malen; es war gerade die Stunde, in der er ſeine Lippen auf ihre ent⸗ blößte Schulter gedrückt hatte.

Bleich, zitternd, vernichtet, öffnete Hoffmann das

Medaillon, um das Bild von Antonia zu küſſen, doch das Elfenbein war wieder ſo weiß und rein geworden,

als ob es vom Pinſel des Künſtlers noch unberührt