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haften und die hundert und zwei und dreißig Nanteſen ins Waſſer zu werfen.
Hentz ließ Bouſſard verhaften; als es ſich aber darum handelte, die hundert und zwei und dreißig zu erſäufen, da ſchmolz das Erz von ſeinem revolutionären Herz, das ohne Zweifel nicht dreifach war, und er be⸗ fahl den Opfern, ihren Marſch nach Paris fortzuſetzen.
Worüber Carrier verächtlich den Kopf ſchüttelnd äußerte:„Ein kleiner Erſäufer, dieſer Hentz, ein kleiner Erſäufer.“
Die Gefangenen ſetzten alſo ihren Marſch fort. Von hundert und zwei und dreißig ſtarben ſechs und dreißig, ehe ſie in Paris ankamen, und die ſechs und neunzig, welche die Hauptſtadt erreichten, trafen zu ihrem Glück gerade zur rechten Zeit ein, um als Zeugen im Prozeſſe von Carrier Ausſagen zu machen, ſtatt als Angeklagte in ihrem eigenen Prozeſſe zu antworten.
Es war nämlich der neunte Thermidor gekommen, der Tag der Repreſſalien hatte ſich erhoben, die Reihe, gerichtet zu werden, war für die Richter gekommen und der Convent hatte, nach einem Monat des Zögerns, den großen Erſäufer in Anklageſtand verſetzt.
Folge hievon war, daß ich bei der Erinnerung an dieſe Brochure, welche Herr von Villenave vor vier und dreißig Jahren im Gefängniß geſchrieben hatte, die Kette der Vergangenheit wieder hinaufgeſtiegen, und daß das, was ich ſah, was ich hörte, nicht mehr eine lite⸗ rariſche Rede geſprochen von einem Profefſor des Athenée war, ſondern eine furchtbare, heftige, tödtliche Anklage des Schwachen gegen den Starken, des Angeſchuldigten gegen den Richter, des Opfers gegen den Henker
Und ſo groß iſt die Macht der Einbildungskraft, daß Saal, Zuſchauer, Tribune, kurz Alles ſich verän⸗ dert hatte; daß aus dem Saal des Athenée der Saal des Conventes geworden war; vaß ſich die friedlichen Zuhörer in zornmüthige Rächer verwandelt hatten, und daß der beredte Profeſſor, ſtatt honigſüßer Perioden,
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