Teil eines Werkes 
9.-13. Bdchn (1850)
Entstehung
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dächtniß erinnern muß, das Gedaͤchtniß hat ſeine Däm⸗ merung, in der ſich entfernte Erinnerungen verlieren, ſondern mit dem Herzen.

Wenn ich mein Gedächtniß beiſeit laſſe, um mich in mein Herz zu flüchten, ſo finde ich darin, wie in einer heiligen Stiftshütte, die innigſten, traute⸗ ſten Erinnerungen, welche eine um die andere meinem Leben entſchlüpft find, wie Tropfen um Tropfen das Waſſer durch die Ritzen eines Gefäßes ſiekert; in dem Herzen iſt keine immer finſterer werdende Abenddämme⸗ rung, ſondern eine immer glänzender ſich geſtaltende Morgendämmerung; das Gedächtniß geht der Dunkel⸗ heit, das heißt der Vernichtung, das Herz dem Lichte, das heißt Gott zu.

Kurz es iſt da, dieſes kleine Haus, umſchloſſen von einer grauen Mauer, hinter der es ſich halb verbirgt, dem Verkaufe ausgeſetzt, wie man mir ſagt, und leider nahe daran, den gaſtfreundlichen Händen zu entgehen, die mir die Thüren derſelben geöffnet haben.

Laſſen Sie mich Ihnen ſagen, wie ich hinein ge⸗ kommen bin; das führt Sie, ich weiß es wohl, auf einem Umweg zu der Geſchichte, die ich Ihnen erzähle; doch gleichviel, folgen Sie mir, wir werden unter We⸗ ges plaudern, und ich werde darnach trachten, daß Ih⸗ nen die Straße minder lang vorkommt, als ſie es in Wirklichkeit iſt.

Es war, glaube ich, gegen das Ende des Jahres 4826. Sie ſehen, ich bezeichnete Ihnen nur zwanzig Jahre, und nun ſind es zwei und zwanzig. Ich war drei und zwanzig geworden.

Bei Erwähnung des armen James Rouſſeau, ſagte ich Ihnen von meinen literariſchen Träumen. Im Jahre 1826 waren ſie ſchon ehrgeiziger geworden. Es war nicht mehr: Die Jagd und die Liebe, was ich unter Mitarbeitung von Adolph von Leuven machte; es war nicht mehr die Heirath und das Be⸗ gräbniß, was ich mit Vulpian und Laſſagne com⸗