Teil eines Werkes 
5.-8. Bdchn (1850)
Entstehung
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Don Bernardo hatte bei Annäherung der from⸗ men Jungfrau eine ſeltſame Gemüthsbewegung em⸗ pfundenz etwas wie eine Blendung war vor ſeinen Augen hingezogen, und er hatte ſich an einen Baum angelehnt, als hätte der Fels, unſicher auf ſeiner Grund⸗ lage, gezittert.

Doch in demſelben Maß, in dem ſich die Nonne

entfernte, kehrte die Kraft wieder bei ihm zurück; um ihr länger mit den Augen zu folgen, neigte er ſich dann über den Rand des Felſen, der den Brunnen überragte. Die Nonne war herabgeſtiegen, hatte ſich dem Brunnen genähert, indem ſie ſich nun dem heiligen Waſſer allein ſichtbar machte, den Schleier zuruck⸗ geſchoben und nach dem Gebrauche aus der Quelle ſelbſt getrunken.

Dann war aber etwas geſchehen, woran Niemand gedacht, und was folglich Niemand hatte vorherſehen können. Der durchſichtige Kriſtall der Quelle ver⸗ wandelte ſich in einen Spiegel, und von der Stelle, wo er ſtand, ſah Don Bernardo das Bild der Nonne ſo

deutlich, als ob es von einem Glaſe wiedergeſtrahlt

worden wäre.

Sie war trotz ihrer Bläſſe ein ſolches Wunder von Schönheit, daß Don Bernardo einen Schrei der Be⸗ wunderung und des Erſtaunens ausſtieß, der laut genug

ertönte, um die fromme Kranke beben zu machen, welche

auch, nachdem ſie kaum ihre Lippen in das Waſſer ge⸗ taucht hatte, ihren Schleier kreuzte und die Sänfte beſtieg, doch nicht ohne ein letztes Mal ihren Kopf nach der Seite des unvorſichtigen Ritters zu drehen.

Don Bernardo von Zuniga ſtieg raſch die Stufen des Felſen hinab, wandte ſich an einen von den Zu⸗ ſchauern dieſer Scene und fragte:

„Weißt Du, wer die Frau iſt, die ſo eben an der Quelle getrunken hat, und die man nach dem Kloſter der Unbefleckten Empfängniß trägt?“

„Ja,“ antwortete der Befragte;„es iſt eine Nonne,

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