Teil eines Werkes 
2. Bd. (1857)
Entstehung
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Eine Minute verfloß um die andere; ohne Zwei⸗ fel zog eine Wolke über den Mond hin, denn es

war Roland, als ob die Dunkelheit noch größer

würde.

Dann glaubte er, je näher man der Mitternacht rückte, vielfaches, kaum vernehmbares wirres Geräuſch zu hören, das ohne Zweifel aus der nächtlichen Welt kam, welche erwacht, wenn die andere einſchlummert.

Die Natur hat nicht gewollt, daß ein Stillſtand in der Natur eintrete, ſelbſt für die Ruhe nicht; ſie hat ihr nächtliches Univerſum gemacht, wie ſie ihre Tagwelt geſchaffen, von der Mücke, die an dem Kopf⸗ kiſſen des Schläfers ſummt, bis zum Löwen, der um den Douar des Arabers herſtreift.

Aber Roland, die Feldwacht, der verlorene Po⸗

ſten in der Wüſte, Roland der Jäger, Roland der

Soldat, kannte alle Geräuſche ſolcher Art; es konnte ihn nicht beunruhigen, als plötzlich mit dieſem Ge⸗ räuſche von Neuem der Klang der Glocke ſich miſchte,

die zum zweiten Male über ſeinem Haupte anſchlug.

Diesmal war es Mitternacht; er zählte zwölf Schläge hinter einander.

Der letzte erklang, zitterte in der Luft wie ein Vogel mit ehernen Flügeln, erſtarb dann langſam, traurig, ſchmerzlich.

Zu gleicher Zeit kam es dem jungen Manne vor, als hörte er eine Wehllage.

Roland hielt das Ohr nach der Seite, von wel⸗ cher das Geräuſch kam.

Die Wehklage ließ ſich näher hören.

Er ſtand auf, aber die Hände auf den Tiſch ge⸗ ſtützt und unter jeder ſeiner Hände einen Piſtolen⸗