tagsſonne ſein goldenes oder im Mondenlichte ſein ſilbernes Gewand blitzen ließ.
Die Fenſter ſahen alſo auf einer Seite auf dieſes zau⸗ beriſche Panorama, das in der Ferne eine Huͤgelkette en⸗ digte, die am Tage von der Sonne etwas verbrannt war, Abends aber den Horizont mit bewundernswuͤrdig klaren bläulichen Tinten ſchloß. Auf der andern Seite gingen ſie auf den Schloßhof und das Gemach, das ſo in Oſten und Weſten durch dieſe doppelte Reihe einander entſprechender Fenſter erhellt war, gewaͤhrte einen reizenden Aufenthalt, wenn es die erſten Strahlen der Sonne oder das Blau des Himmels aufgehenden Mond widerſtrahlte.
Dieſe natuͤrlichen Schoͤnheiten beſchaͤftigten allerdings Chicot weniger als die Einrichtung des Cabinets, der ge⸗ woͤhnlichen Wohnung Heinrichs. Der kluge Geſandte ſchien wirklich in jedem Geräthe einen Buchſtaben zu ſuchen und zwar um ſo aufmerkſamer als dieſe Buchſtaben zuſammen ihm die Aufloſung des Räthſels geben mußten, die er ſchon ſo lange ſuchte und die er vorzugsweiſe auf dem ganzen Wege geſucht hatte.
Der Koͤnig ließ ſich mit ſeiner gewoͤhnlichen Gutmuͤ⸗ thigkeit und ſeinem ewigen Laͤcheln auf einen großen Lehn⸗ ſtuhl mit vergoldeten Nägeln und wollenen Franſen nieder und Chicot růckte, um ihm zu gehorchen, einen Seſſel in die Nähe, der ebenſo verziert war.
Heinrich ſah Chicot aufmerkſam und laͤchelnd an, aber mit einer Aufmerkſamkeit, die ein Hoͤfling ermudend gefun⸗ den haben wuͤrde. „Ihr werdet meinen, ich ſei ſehr neugierig, werther


