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Sie empfing den Falſchmünzer freundlich, ſein aufgeregtes Weſen fiel ihr ſofort auf.
Dorman holte einige Flaſchen aus der Taſche und ſtellte ſie auf den Tiſch, Louiſon brachte ihm ein Glas, er füllte es und trank es auf einen Zug aus.
„Es iſt gut, daß Erneſt wieder auf den Beinen iſt“, ſagte er mit einem Lächeln der Befriedigung auf den Lippen,„wir werden jetzt ernten, was wir geſäet haben.“
Louiſon blickte ihn fragend an.
„Parbleu, es wir deine reiche Ernte ſein“, fuhr er fort,„wir wer⸗ den Rache nehmen, blutige Rache für Alles.“
„An wem?“
„HOm, an dem Marquis, an Allen, die uns in den Staub ge⸗ treten haben, die Frucht iſt reif, ſie muß uns in den Schooß fallen.“
Louiſon verſtand den Sinn dieſer Worte nicht ganz, aber ſie ahnte ihn, mißbilligend ſchüttelte ſie das Köpfchen.
„Sie verſprachen mir, meinem Verlobten nachzuforſchen“, ſagte ſie,„Sie wollten nicht ruhen, bis Sie über ſein Schickſal ſich Ge⸗ wißheit verſchafft hatten— haben Sie noch immer keine Spur ent⸗ deckt?“
Der Falſchmünzer ſchüttelte das Haupt, ſeine Züge waren ernſt geworden und ein theilnehmender Blick traf aus ſeinen Augen das bleiche Antlitz des Mädchens.
„Haben Sie die Hoffnung noch immer nicht verloren?“ fragte er. „Es liegt ja auf der Hand, daß Paul bei jenem Ueberfall geblieben ſein muß.“
nEin liebendes Herz hält an der Hoffnung feſt.“
„Und doch gibt es hier keine Hoffnung.“
„Weshalb nicht?“
„Gottes Tod, es ſteht ja feſt, daß man den Schwerverwundeten in die Seine geworfen hat, nur ein Wunder hätte ihm das Leben retten können, und Wunder geſchehen jetzt nicht mehr. Ich habe mich überall erkundigt, ich war in den Ambulancen, nirgend fand ich den Vermißten, Sie müſſen ſich mit dem Gedanken vertraut machen, ihn verloren zu haben.“
„Ich kann es nicht“, ſeufzte Louiſon, deren Augen ſich mit Thränen füllten. 1
„Nun, wir werden unſere Nachforſchungen fortſetzen, ſobald wir


