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Und zu dieſen Schreckniſſen geſellte ſich nun noch eine ſo ſtrenge und empfindliche Kälte, wie man ſie ſeit Jahren in Paris nicht ge⸗ kannt hatte.
Holz und Kohlen waren kaum zu haben, die Händler, welche noch kleine Vorräthe beſaßen, forderten unerſchwingliche Preiſe, man begann ſchon damit, Bäume zu fällen und aus den verlaſſenen Wohnungen Thüren und Möbel zu holen, um ſich gegen die Kälte zu ſchützen.
Erneſt war täglich nicht einmal, ſondern mehrmals in dem Palais des Marquis geweſen, um ſich nach dem Befinden Mariens zu erkun⸗ digen, und die Nachrichten, die er erhielt, waren keineswegs geeignet, ihn zu beruhigen..
Der Marquis empfing ihn ſtets mit herzlicher Freundlichkeit, er äußerte ſelbſt ſeinen tiefen Schmerz über die Gefahr, in der das ge⸗ liebte Mädchen ſchwebte, er bemühte ſich jedesmal, ſeinen eigenen Kum⸗ mer zu bemeiſtern, um dem Freunde Troſt und Muth zuzuſprechen, aber Hoffnung konnte er nicht geben.
Der Arzt hatte jeden Tag Bedenken geäußert, er ſelbſt hegte keine
Hoffnung, daß es ſeiner Kunſt gelingen werde, das Leben der Kranken zu retten, er ſagte unverhohlen, daß hier ein Wunder geſchehen müſſe, wenn die junge Dame geneſen ſolle.
Das Alles berichtete der Marquis dem jungen Manne, der dar⸗ auf drang, die volle Wahrheit zu erfahren, und Erneſt verlor nun auch die Hoffnung.
Wenn auch der Marquis hinzufügte, das Gutachten des Arztes ſei kein Evangelium, und ſchon mancher Patient ſei aufgegeben wor⸗ den, der ſeine Geſundheit zurückerhalten habe, Erneſt konnte darin keinen Troſt finden.
Zudem entbehrte er jetzt ſchmerzlich der Theilnahme eines befreun⸗ deten Herzens.
Paul wollte ſein Mißtrauen nicht fahren laſſen, ſo oft Erneſt ſich bei ihm beklagte, erhielt er zur Antwort, der Marquis ſei ein ſchlauer nchs, der jetzt wieder Komödie mit ihm ſpiele, man müſſe ihm ge⸗ waltſam die Maske abreißen.
Es war am 29. November, als die beiden Freunde von der Nachtwache auf den Wällen zurückkehrten.
Es war eine bitterkalte Nacht geweſen, der fortwährende Kanonen⸗ donner hatte ſie faſt betäubt, aber trotz der körperlichen Erſchöpfung wollte Erneſt ohne Verzug ſich zum Marquis begeben.


