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aus den Provinzen in die befreite Hauptſtadt einmarſchiren, dann hatte alle Noth ein Ende.
war natürlich und ganz unzweifelhaft, daß jeder Schuß ein Bataillon Preußen vernichtete.
Mit Entzücken lauſchte man dem Brummen der beiden Rieſen⸗ kanonen„Joſephine“ und„Marie Jeanne“, die vom Mont Valerien ihre vernichtenden Geſchoſſe auf den Feind ſchleuderten.
Man ſammelte überall freiwillige Beiträge, um neue Kanonen zu gießen, und wenn eine ſolche Kanone über die Boulevards geführt wurde, begrüßte die Menge ſie mit wahnſinnigem Geſchrei. Täglich wurden Gerüchte über neue Siege verbreitet, Bauern, welche ſich durch die Vorpoſten geſchlichen hatten, ſollten ſie gebracht haben.
Nach dieſen Berichten, deren Wahrheit Niemand bezweifeln durfte, ſollten die Preußen nicht allein durch Hunger, Kälte und Epidemie, ſondern auch durch die Waffen ihrer Gegner zur Hälfte ſchon ver⸗ nichtet ſein.
Man ſagte, General Moltke ſei todt, der Kronprinz von Preußen gefährlich erkrankt, das große Stabsquartier habe ſchon alle Vorberei⸗ tungen zur Flucht getroffen, und unter den feindlichen Truppen ſeien ernſte Meutereien ausgebrochen.
Und trotz alledem that Trochu nichts. Man ſah nicht, daß er Anſtalten zu einem Maſſenausfall traf, ja, er zeigte ſogar ganz un⸗ verhohlen, daß ihm das Geſchrei der Menge läſtig war.
Er wußte nicht, was er mit all dieſen Freicorps, die ſich gebildet hatten, anfangen ſollte, er erkannte mit richtigem Blick, daß dieſe Kampfeswuth nichts weiter als Prahlerei war, und daß im feindlichen Feuer die Freicorps die erſten ſein würden, welche ſich aus dem Staube machten.
Dann traf die Nachricht ein, der Großherzog von Mecklenburg habe bei Dreux einen Theil der Loire⸗Armee geſchlagen und zurück⸗ geworfen, ebenſo ſeien an demſelben Tage, am 18. November, die franzöſiſchen Truppen bei Chateauneuf geſchlagen worden.
Ein Ausfall wurde am 20. November zurückgewieſen, aber das war ja kein Ausfall, ſondern nur eine Recognoscirung geweſen, man konnte es keine Niederlage nennen.
Dagegen brachten die fliehenden Soldaten die Nachricht, im feind⸗ lichen Lager herrſche eine furchtbare Aufregung und man habe in


