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Venre—
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Siebenunddreißigſtes Kapitel.
Am Sarge der Geliebten.
Gleich einem Trunkenen war Erneſt heimgekehrt, die Nachricht von der gefährlichen Erkrankung Mariens hatte ſeine Sinne betäubt.
Ein Chaos von Gedanken wogte in ſeiner Seele, aber es war ihm unmöglich, Klarheit und Ordnung hineinzubringen, einen be⸗ ſtimmten Gedanken herauszugreifen und ihm nachzuhängen. Paul nahm ſeine Mittheilungen mit unverhohlenem Mißtrauen auf, er äußerte ſofort Zweifel, aber Erneſt wollte dieſe Zweifel nicht gelten laſſen.
Auch Louiſon bekämpfte die Zweifel des Geliebten, es war ja möglich, daß Marie plötzlich erkrankt war.
Konnte man darin etwas Befremdendes finden in einer Zeit, in der Epidemien täglich ihre Opfer forderten?
Gewiß nicht, auch Paul mußte das zugeben, aber trotz alledem wollte der letztere dem Marquis keinen Glauben ſchenken.
Indeß, ſeitdem Paul mit der Geliebten wieder vereinigt war, nahm er an den Angelegenheiten ſeines Freundes nicht mehr ſo
großes Intereſſe, er überließ es ihm, dieſe Angelegenheiten zu ordnen, obgleich er ſtets bereit war, ihm mit Rath und That treu zur Seite zu ſtehen.
Zudem nahm der Deenſt die Freunde jetzt ſehr in Anſpruch, ſo daß ſie ſelten eine freie Stunde fanden, die ſie ihren Privatangelegen⸗ heiten widmen durften.
Man erwartete ja von Stunde zu Stunde das Eintreffen der ſiegreichen Loire⸗Armee, um ihr mit der ganzen in Paris eingeſchloſ⸗ ſenen Macht entgegen zu marſchiren und die Deutſchen bis auf den letzten Mann zu vernichten.
Auf den Boulevards liefen die ſeltſamſten Geſtalten umher. Alles hatte ſich uniformirt und bewaffnet, um an dem Rachewerk Theil zu nehmen und die Sieger feſtlich zu empfangen.
Man hatte die Garderoben der Theater geplündert und alle nur denkbaren Uniformen, Woſſen, Schärpen und Federbüſche angelegt; man konnte glauben, ſich in eine Maskerade verſetzt zu ſehen, wenn man dieſe bunten, phantaſtiſchen Geſtalten betrachtete.
Wer dachte jetzt noch an den Hunger, an Krankheiten und Tod? Binnen wenigen Tagen, vielleicht morgen ſchon mußten die Sieger


