„Ach, mein Freund, in dem Kampfe mit der Macht des Goldes ſind wir ohnmächtig. Was willſt Du nun thun?“
„Vor allen Dingen mir Gewißheit verſchaffen.“
„Und auf welchem Wege?“
„Ich werde verſuchen, dem Mädchen ein Billet in die Hände zu
ſchmuggeln.“
„Das wäre ein nutzloſer Verſuch.“
„Wenn ich kein Geld hätte, ja. Aber ich beſitze tauſend Francs und wenn ich die Hälfte dieſer Summe opfere, ſo werde ich Gewiß⸗ heit erhalten. So gut auch die Lakaien beſoldet ſein mögen, der Verſuchung können ſie doch nicht widerſtehen, wenn man ihnen Geld bietet, und ich werde unter dem Dienſtperſonal des Edelmanns gewiß Einen finden, der—“
„Vertraue nicht zu feſt darauf“, fiel Paul ihm in's Wort.„Wenn dieſer Verſuch fehlſchlägt, ſo haſt Du Vieles verdorben. Wohin gehen
wir jetzt?“
„Nach Hauſe.“
„Wollen wir nicht in St. Lazare nachfragen?“
„Wozu? Man wird mir dort nicht mehr ſagen können, als Du mis ſchon geſagt haſt, und ich möchte nun keine Zeit mehr verlieren.“
„Aber Louiſon?“
„Sei ruhig. Auch an ſie werden wir denken. Ich ſchreibe zu Hauſe ein Billet an Marie, wir kauſen einen Blumenſtrauß, in wel⸗ chem ich den Zettel verſtecke, dann ſoll ein Diener des Marquis der Sängerin dieſes Bouquet bringen, als einen Dank meinerſeits für den Genuß, den ihr Geſang mir bereitet hat. Werde ich abgewieſen, ſo iſt das nur eine neue Beſtätigung der Richtigkeit meiner Vermu⸗
thungen, und ich muß alsdann verſuchen, was das Geld vermag. Zu⸗ vor aber gehen wir zu Pierre Bandau, um mit ihm ein ernſtes Wort zu reden. Ich werde dem Schuſt mit der Veröffentlichung ſeiner Ge⸗ heimniſſe drohen und ihn zu einem Geſtändniſſe zwingen. Seitdem ich die erſte Spur ſo raſch gefunden habe, zweifle ich nicht mehr daran, daß uns Alles gelingen wird, nur Geduld— Geduld und Muth.“ Ein Offizier der Nationalgarde ſprach in dieſem Augenblicke die Beiden an, er machte ihnen Vorwürfe, daß ſie ſeit einigen Tagen den Dienſt verſäumt hätten und drohte ihnen mit dem Kriegsgericht, für den Fall ſie läſſig würden. „Wir werden in der Stunde der Entſcheidung auf unſerm Poſten
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