„Ah— vortrefflich!“ ſagte der Marquis.„Meine kleine Tochter hat in der jüngſten Zeit große Fortſchritte gemacht.“
Erneſt warf dem Edelmann einen flammenden Blick zu, in ſeiner Seele war eine andere Ahnung aufgeſtiegen, er erinnerte ſich der s, und neben dieſer Ahnung erwachte der Haß gegen den Mann, der ihn ſo ſchändlich betrogen hatte.
War es denn nicht ihre Stimme? War es nicht dieſelbe Melodie? War es nicht derſelbe innige, ſeelenvolle Geſang, dem er daheim in ſeiner Manſarde ſo oft mit ſtillem Entzücken gelauſcht hatte?
„Es iſt deutſche Muſik“, fuhr der Marquis fort,„mir gefällt ſie nicht, aber meine Tochter will nun einmal alle Schwierigkeiten der deutſchen Sprache überwältigen. Wovon ſprachen wir vorhin?“
„Von Fräulein Marie!“ erwiderte Erneſt, der keine Ahnung davon hatte, wie ſchroff und hart ſeine Stimme klang.
Durch Stadt und Dorf, durch Wieſ' und Korn Spiel ich's auf meinen Zügen, Da ſingen's bald zu Nacht am Born Die Mägde mit den Krügen; Der Jäger ſummt es vor ſich her, Spürt er im Buchenhage, Der Fiſcher wirft ſein Netz in's Meer Und ſingt's zum Ruderſchlage: Ich habe dich lieb, du Süße, Du meine Luſt und Qual, Ich habe dich lieb und grüße Dich tauſend, tauſendmal! Erneſt ließ das Haupt auf die Bruſt ſinken, er war in dieſem
Augenblick unfähig, einen Gedanken zu faſſen.
Wohl ahnte er, daß die Sängerin Marie ſei, daß Alles ſich ſo verhielt, wie Panl es ihm geſagt hatte, aber in dieſem Momant dachte er nicht daran, ſie zu befreien.
Wohl durchzuckte ihn einmal der Gedanke, daß ſie für ihn ver⸗ loren ſei, wie er damals Jenny Mouſſon verloren hatte, daß ſie frei⸗ willig in den goldenen Käfig des reichen Mannes gegangen ſei und ſich ganz wohl in ihm fühle.
Aber dieſer Gedanke konnte doch keine Wurzel faſſen, das ſchöne Bild Mariens, wie es ihm vorſchwebte, hatte zu viel Hohes und
— I. Worte Paul
Der Marquis ſchrieb, ihn ſchien der Geſang gar nicht zu inter⸗ eſſiren.
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