Teil eines Werkes 
2. Band (1872)
Entstehung
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Erneſt wollte auf dieſe Erklärung eben eine Erwiderung geben, als plötzlich die Klänge eines Pianinos ſein Ohr berührten.

Es klang ſo klar und deutlich, als ob das Inſtrument in einem Zimmer nebenan geſpielt würde, und dabei ſo weich und harmoniſch, daß der junge Mann ſich mif Entzücken dem ſüßen Zauber hingab, den dieſe Muſik auf ihn übte.

Er ſah nicht, daß der Marquis die Stirne runzelte und einen verlegenen Blick nach oben warf, wo ein Schallloch die beſtrickenden Töne Wuuhlich Er lauſchte mit ganzer Seele und ein freudiges Lächeln umſpielte dabei ſeine Lippen.

und nun hub eine weiche, ſüße Stimme an:

Und legt ihr zwiſchen mich und ſie Auch Strom und Thal und Hügel, Bedeädr Herrn, ihr trennt uns nie,

Das Lied, das Lied hat Flügel.

Ich bin ein Spielmann wohlbekannt, Ich mache mich auf die Reiſe Und ſing' hinfort durchs weite Land Nur noch die eine Weiſe:

Ich habe dich lieb, du Süße,

Du meine Luſt und Qual,

Ich habe dich lieb und grüße

Dich tauſend, tauſendmal!

In atheulloſer Spannung lauſchte Erneſt, er verſtand die Worte nicht, aber er kannte die Melodie, es war ja dieſelbe Melodie, die Marie einmal geſungen hatte.

Der Marquis beobachtete ihn mit dem ſpähenden Blich eines Adlers, die Lippen feſt auf einander gepreßt, ſtand er vor dem jungen

Manne, wie wenn er in jedem Augenblick einen Angriff erwarte.

Die Stimme fuhr fort: Und wandl' ich durch den laub'gen Wald, Wo Fink und Amſel ſchweiſen, Mein Lied erlauſcht das Völichen bald Und hebt es an zu pſeifen. Und auf der Haide hört's der Wind, Der ſpannt die Flügel heiter Und trägt es über den Strom geſchwind Und ub ber den Berg und weiter: Ich habe dich lieb, du Süße, Du meine Luſt und Qual, Ich habe dich lieb und grüße Dich tauſend, tauſendmal!