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„Ich könnte den Polizeipräfekten—“
„Verzeihen Sie, dieſer Weg würde nicht zum Ziele führen.— Erſtens hat der Polizeipräfekt alle Hände voll, daß er ſich um Privat⸗ angelegenheiten nicht kümmern kann, und zweitens könnte ich auch die Wohnung Louiſon's nicht einmal mit Sicherheit angeben.“
„Aber Sie ſagten doch vorhin—“
„Ich muß meine Erklärung dahin ergänzen, daß eine alte Frau, welche ich mit den nöthigen Nachforſchungen beauftragte, mir berichtet hat, ſie habe das Mädchen gefunden. Sie iſt bereit, jeden Auftrag auszuführen, aber den Aufenthaltsort Louiſon's will ſie einſtweilen nicht verrathen, weil ſie fürchtet, alsdann um ihren Lohn betrogen zu werden. Was dieſen Lohn betrifft, ſo übernehme ich es, ihn zu zahlen, ich rechne dafür darauf, daß Sie ſpäter ein Auge zudrücken und nicht Alles bemerken werden, was in Ihrem Hauſe vorgeht.“
„Darüber läßt ſich ja ſpäter ſprechen“, ſagte der Alte ungeduldig. „Alſo, was ſoll jetzt geſchehen?“
„Sie ſchreiben einige Zeilen an Louiſon.“
„He, verlangen auch Sie, daß ich um Verzeihung betteln ſoll?“
„Bewahre, dadurch würden Sie Ihrer Würde zu viel vergeben! Schreiben Sie ihr mit zitternder Hand, Sie ſeien krank und fühlen ſich dem Tode nahe; Niemand kümmere ſich um Sie, allein, hülflos und verlaſſen lägen Sie auf dem Schmerzenslager, keine Hand reiche Ihnen einen Labetrunk, kein tröſtendes Wort lindere Ihre Schmerzen. Drücken Sie die Sehnſucht nach Ihrem Kinde aus, ſchreiben Sie, es ſei Ihr einziger und letzter Wunſch, ſich mit Louiſon auszuſöhnen und ſie vor Ihrem Ende zu ſegnen.“
Die grauen Augen des Wucherers leuchteten ſeltſam, ein tückiſcher Zug umzuckte ſeine Mundwinkel, während er leiſe kichernd die welken
Hände rieb.
„Vortrefflich!“ ſagte er.„Herr von Segur, Sie ſind ein aus⸗ gezeichneter Intriguantl“
„Schreiben Sie den Brief.“
„Aber wird Louiſon ihm Glauben ſchenken?“
„Ueberlaſſen wir es der alten Frau, die etwa aufſteigenden Zweifel zu beſeitigen, ſie iſt in ſolchen Dingen erfahren.“
Pierre Bandau hatte ſchon die Feder ergriffen, im nächſten Augen⸗ blick begann er mit der Ausführung des Bubenſtreichs, der ſeinen
ganzen Beifall fand.


