Wieder ertönte gener helle, ſchrille Klang der Glocke, und augen⸗ blicklich verſtummte das Geſpräch, die Blicke Aller richteten ſich auf die Thüre, durch welche Bandau verſchwunden war.
Auf der Schwelle dieſer Thüre ſtand jetzt ein großer, ſchlanker Mann, in eng anliegender ſchwarzer Kleidung, mit hohen Stulpen⸗ ſtiefeln und ſchwarzen Handſchuhen.
Sein Geſicht war bleich, aber es hatte etwas Angenehmes, der Ausdruck dieſer feinen Züge ließ auf Geiſt und daneben auf Energie ſchließen, der Blick der dunklen Augen war ſcharf und durchdringend, die feſt aufeinander gepreßten Lippen, die hohe Stirn und das breite Kinn bekundeten Charakterſtärke und eine eiſerne Willensfeſtigkeit.
Sein dichtes, krauſes Haar war an den Schläfen ſchon ergraut, aber daran trug das Alter wohl weniger Schuld, als der Kampf mit den Mächten des Schickſals und den Leidenſchaften.
Er hatte die Anweſenden mit einem raſchen Blick gemuſtert und die funkelnden Augen dabei eine Weile auf Paul ruhen laſſen.
„Ich habe Euch zuſammenberufen, um Euer Urtheil über einen Verräther zu fordern“, ſagte er mit tiefer, klangvoller Stimme.„Ihr werdet es ſprechen. Welche Strafe trifft den, der die Geheimniſſe unſres Bundes enthüllt, der ſich unſer Mitglied nennt und daneben mit den Tyrannen in Verbindung bleibt?“
„Der Tod!“ lautete das einſtimmige Urtheil.
„Der Tod!“ wiederholte der Marquis.„Und der Verräther weiß das, denn auch er hat den Eid geſchworen, den jedes Mitglied unſeres Bundes leiſten muß! Das Urtheil wird vollſtreckt werden. Ich weiß wohl, daß Mehrere unter Euch ſind, die gerne auch in jene Geheimniſſe eindringen möchten, die nur mir bekannt ſein dürfen, ich weiß, daß man mich beobachtet hat, daß man heimlich mir gefolgt iſt, um meinen Namen und meine Wohnung zu erforſchen. Wozu das? Wer etwas von mir will, der mag es mir hier ſagen, ich gebe Jedem Gehör, aber ich verbiete Euch Allen, mir nachzuſtellen. Nicht als ob ich fürchtete, es gebe Verräther unter Euch, obgleich ich das nicht weiß, da ich Niemanden in's Herz ſchauen kann, aber ich verlange ſtummen Gehorſam, und Neugier iſt mir verhaßt. Denkt auch nicht, daß mir etwas verborgen bleiben könne, oder daß ich die nicht kenne, welche ſo unverſchämt ſind, meine Geheimniſſe erforſchen zu wollen, ich trete ſie nieder, wenn ſie es wagen, mir in den Weg zu kommen. Und unn zur Sache! Die Nepublik iſt proclomirt, aber wir dürfen des⸗
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