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„Darf ich's nicht hören?“ fragte Eugenie lächelnd. „Na, man ſpricht nicht gern darüber im Beiſein junger Damen.“ „Na, was iſt's denn?“ fragte der Bankier ungeduldig.
„Hm, das Fräulein liebt den Putz und das Vergnügen und die Mutter iſt eine zwar recht wackere, aber ziemlich einfältige und eitle Frau. Man ſagt, ſie habe das Verhältniß begünſtigt, und ich glaub's gerne, weil es ihr ähnlich ſieht.“
„Welches Verhältniß?“ fragte Tante Thereſe.
„Na, mit einem reichen jungen Herrn. Es hieß, ſie ſei mit ihm verlobt, aber man dürfe noch nicht davon ſprechen, ſo lange der Vater nicht ſeine Einwilligung gegeben habe.“
„Ah— nun?“
„Sie hat ſich etwas allzutief mit dieſem Verlobten eingelaſſen und ich begreife nicht, daß die Eltern das noch nicht bemerkt haben.“
Der Bankier ſchüttelte den Kopf, ſprechen konnte er nicht, der Barbier hatte ihn inzwiſchen eingeſeift.
„Mich dauert das arme Mädchen,“ ſagte Tante Thereſe,„es iſt wahrlich kein Kunſtſtück, ein Mädchen aus dieſem Stande zu verführen.“
„Aus dieſem Stande?“ erwiderte Gabel aufblickend.„Ich verſichere Sie, der Stand iſt nicht ſo ſchlimm, wie er gemacht wird. Tugend und Ehre ſind bei uns keine leeren Begriffe. Freilich, ein Mädchenherz zu gewinnen, iſt ſo ſchwer nicht, wenn man ein ſchönes Geſicht und die Taſche voll Geld hat, aber dieſes Fräulein iſt durch ihren Hochmuth und ihre Putzſucht gefallen. Ich hatte es gut mit Hermine Wacker vor, konnte ich ihr auch kein glänzendes Daſein bieten, ſie würde bei beſcheidenen An⸗ ſprüchen an meiner Seite ein recht glückliches Leben gefunden haben. Aber der Bartkratzer war ihr zu gering und meine Naſe gefiel ihr auch nicht, du lieber Gott, ich würde ſie natürlich beſſer gemacht haben, wenn ich ſelbſt ſie mir in's Geſicht geſetzt hätte, nun ſie aber einmal ein ſolches Scheuſal iſt, kann ich's doch nicht ändern!“
„Natürlich nicht,“ ſagte Tante Therefe,„übrigens gewöhnt man ſich raſch an den Anblick. Wer iſt denn eigentlich der Ver⸗ lobte des Mädchens?“
„Das habe ich auch ſchon gefragt,“ fuhr der Barbier fort, „aber weder Hermine, noch die Eltern wollen mit der Sprache herausrücken. Es ſei ein reicher Herr, ſagen ſie, aber ſein Name müſſe einſtweilen noch verſchwiegen bleiben. Nun frage ich Sie, iſt das eine richtige Sache?“
„Er wird wohl ein Ehrenmann ſein und ſie heirathen,“ ſagte der Bankier.


