Jahrgang 
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Drittes Kapitel.

Heimliche Liebe.

Es war von Seiten des Schenkwirths ſehr unklug geweſen, den Barbier in das Geheimniß ſeines Sohnes einzuweihen.

Wenn Caspar Gabel auch gelobt hatte, zu ſchweigen, Bertram Schenk hätte doch vorausſehen müſſen, daß es für den redſeligen Barbier ein Ding der Unmöglichkeit war, dieſes Gelübde zu halten.

Neben dem Haufe des Gaſtwirths lag die Wohnung des Ban⸗ kiers Otto Schirmer.

Die Leute nannten ihnBankier, in Wirklichkeit war er nur Wechſelmakler und Geldwechsler.

Er hatte ein ſchönes Haus, ein einträgliches Geſchäft und zwei wohlerzogene Kinder, und da er ein ſehr ruhiger und vernünftiger Mann war, den keine Leidenſchaften beherrſchten, ſo genügten ihm dieſe Glücksgüter, die mancher Andere entbehren mußte.

Alfred, ſein Sohn, der ſich ganz nach dem edlen Charakter ſeines Vaters gebildet hatte, war ſchon ſeit zwei Jahren auf der Univerſität. Er ſtudirte Medizin, und ſeine reiche Begabung ließ erwarten, daß er einſt ein tüchtiger Arzt ſein werde.

Eugenie, ſeine Tochter, zählte nun zwanzig Jahre; ſie war kein ſehr ſchönes, aber doch immerhin ein hübſches Mädchen, und die Schönheiten ihres tiefen, weichen Gemüths, ihres edlen Her⸗ zens und ihres Charakters erſetzten vollſtändig, was an äußerer Schönheit ihr fehlte.

Sie hatte früh die Mutter verloren, Otto Schirmer, der ſich zu einer zweiten Heirath nicht entſchließen konnte, vertraute die Erziehung ſeiner Kinder einer ſentfernten Verwandten an, welche ſich bemühte, ihren Pfleglingen die Mutter zu erſetzen.

Das war ihr in hohem Grade gelungen Alfred und Eugenie hingen mit zärtlicher Liebe an ihr.

Thereſe Stern war Wittwe und noch immer eine recht hübſche, dralle Frau, die ſogar in den jüngſten Jahren noch mehrere Hei⸗ rathsanträge zurückgewieſen hatte.

Sie durfte nicht daran denken, jemals dieſes Haus für immer verlaſſen zu wollen, ſie war an jedes einzelne Familienglied mit einer unzerreißbaren Kette, der Kette der Liebe und des Dankes, gefeſſelt, und Herr Otto Schirmer würde ſich eher dazu verſtan⸗

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