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andern Städte der Chriſtenheit. Es iſt in Wahrheit
ein mexikaniſches Rom und verdient in dieſer Beziehung den Beinamen de los Angelos oder Engelſtadt, obwohl es in ſeinen Mauern auch einen der berüchtigſten Skla⸗ venmärkte des amerikaniſchen Continents beherbergt. Vor Allem haben die Spanier, welche Puebla de los Angelos im Jahre 1533 nach europäiſcher Art erbau⸗ ten, den Dom mit verſchwenderiſchem Reichthum aus⸗ geſtattet. Dieſes majeſtätiſche Gotteshaus kann, wenn auch gerade nicht durch ſeine Größe oder durch die Reinheit ſeines Geſchmackes, ſo doch durch ſeine Ori⸗ ginalität und durch den materiellen Werth ſeiner Aus⸗ ſtattung mit den berühmteſten Kathedralen der alten Welt um den Vorrang wetteifern.
Acht Tage nach Mathildens Einzug in Puebla de los Angelos wurde in einer Seitenkapelle des Doms eine ſtille und, wie es ſchien, zwei Seelen beglückende Feier begangen. Julius und Mathilde erhielten am Altare den prieſterlichen Segen zu ihrem Herzensbunde. Julius hatte vorher noch ſeiner Braut die heiligſten Betheurungen gemacht. Mathilde ſah jetzt den höchſten ihrer Wünſche erfüllt. Selbſt beſeligt, durfte ſie mit Recht hoffen, durch die Hand ihres Gemahls bald auch Andere beſeligen und ſo den Fluch ſühnen zu können, der auf ihrer Familie laſtete.
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