158 Vortheil mehr herauszupreſſen. Eskobadi, ſo grauſam er auch handeln konnte, verfuhr doch nur dann aus Grundſatz barbariſch, wenn er davon einen Gewinn abſah. Dieß war hier nicht der Fall; und von dieſem Standpunkte aus erwogen, konnte er die Bitte wohl bewilligen. Dennoch kam ihm der Gedanke unerträglich vor, daß er ſein Opfer ſo ganz ohne Gegendienſt jetzt fahren laſſen ſollte. Einen ſolch großmüthigen Handel hatte er noch nie abgeſchloſſen, ſeit die Welt ihn als Tlaskala's erſten Sklavenhändler kannte. Auch jetzt wollte er nicht gegen ſeine Grundſätze verſtoßen und antwortete daher nach kurzem Bedenken:
„Sennora, ich finde Ihr Begehren gerechtfertigt. Dennoch verbietet mir zu meinem aufrichtigen Bedauern ein kleines Hinderniß, ihm zu willfahren.“
„Dieß Hinderniß wäre?“ fragte Mathilde raſch und begann vor Erwartung an allen Gliedern fieber⸗ haft zu zittern.
„In dem Subſfect ſteckt ein Kapital“, entgegnete Eskobadi mit der widerlichen Ruhe, die den Sklaven⸗ händlern eigen iſt,„ein Kapital, das ich verlieren müßte, wenn ich zu Ihrem Begehren Ja ſagte. Der Taugenichts hat mir Koſten verurſacht. Auf der Hie⸗ herreiſe ließ ich ihn zechen wie einen Prinzen. Hier konnte ich ihn zu nichts brauchen und habe ihn dennoch
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