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Monate nach meiner Rückkehr aus Europa, noch an Ihre Mutter geſchrieben.“
„Dann muß der Brief entweder auf hoher See verloren gegangen oder von der europäiſchen Poſt als unbeſtellbar verbrannt worden ſein, da meine Mutter damals ſchon längſt begraben war.“
Eskobadi ſchwieg, aber ſein durchſtechender Blick blieb forſchend und fragend auf Mathilden haften, welche zu ihrem Glück wieder Faſſung genug errungen hatte, um trotz ihrer Seelenangſt den Schein völliger Unbe⸗ fangenheit zu wahren. Offenbar zweifelte der Mörder ihres Vaters noch, ob er von ihr die volle Wahrheit oder nur ein Gewebe von Erdichtungen empfangen. Je länger ſie jedoch ſeinen ſtechenden Blick kühn aus⸗ hielt, deſto mehr begannen die Furchen des Mißtrauens aus ſeinem Geſichte zu verſchwinden. Mehr und mehr kam es ihm unwahrſcheinlich vor, daß Jemand, der ihn zu täuſchen verſuche, mit dem Schein ſolcher Seelen⸗ ruhe und Harmloſigkeit dem Doppelfeuer ſeiner Augen ſtandzuhalten vermöchte. Auch ſprach gerade nichts gegen die Unmöglichkeit der von Mathilden aufgeſtellten Behauptungen. Nicht ſelten gehen ja Briefe auf langen Strecken verloren. Und daß Frau Waller gegenüber ihrer Tochter den Namen Alimonti nie ausgeſprochen, ſowie auch daß ſie alle auf ihr eigenes Schickſal be⸗
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