Teil eines Werkes 
1. Band (1871)
Entstehung
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Ufers an hölzernen Bauernhütten vorbei nach Schachen

über die Gefilde führt, auf welchen jetzt der mit allem Luxus eines ſüdlichen Herrſchaftsſitzes ausgeſtattete Lindenhof prangt. Bei einer alten Ruine blieb Karl ſtehen und hub an:

Kennſt Du die Sage, welche, gleich dem wild verwachſenen Epheu, dieſe verfallenden Mauern um⸗ rankt?

Ich weiß nicht einmal, was dieſe alten Mauer⸗ ſteine ehemals waren, entgegnete Julius kurz.

So höre! Zur Zeit als die Inſel Lindau noch eine freie Stadt war, beſaß ſie hier ein Grenzſchloß, der Tegelſtein genannt, auf dem ein eigenes Edelge⸗ ſchlecht hauſte. Eines Tages nun kam zur ſtolzen und hartherzigen Burgfrau Anna von Tegelſtein, welche mit drei im Reize der Jugend und Schönheit pran⸗ genden Töchtern hier herrſchte, eine arme Bäurin und bat, aus dem Schloßgarten einen Kranz weißer Roſen für ihr eben verſtorbenes Töchterlein pflücken zu dürfen. Die Freifrau ſchlug dieſe Bitte mit den ſchnöden Worten ab:Für ſolches Bettelvolk iſt ein Kranz von Brenneſſeln die paſſendſte Zierde. Da rief die empörte Mutter:Nun ſo mögen Eure Roſen zu Todtenkränzen für Eure Töchter werden! Der Fluch ging in Erfüllung. Ehe ein Jahr verfloſſen war,