Jahrgang 
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Ich will dir nur offen geſtehen, erwiderte er dem Grafen; was mich eigentlich treibt, nach einem Amte, nach einer äußern, weltgultigen Würde zu trachten. Ich liebe, und werde geliebt. Noch darf ich ſie dir nicht nennen, dich, wie gern ich es möchte, nicht zu ihr bringen, die ein Inbegriff alles Deſſen iſt, was ich er ſehnt, erträumt habe. Was ſage ich! Ich hatte noch gar keinen Begriff, kein Bild von ſo viel Anmuth, Reiz, Seele, Phantaſie eines Weibes. In ihr, die mich ja ich muß ſo ſagen mit ihrer Liebe begnadigt, ſoll ich meine zerpflückte Vergangenheit wieder ſammeln, meinen Lebensſommer mit neuen Frühlingsſproſſen berei⸗ chert ſehen. Sie vereint, was ein heißes Verlangen ſtillen kann, mit Dem, was eine ſehnſuchtvolle Seele befriedigt. Ihr Herz veredelt meine Triebe, ihr Gefühl erweckt meine Gedanken, und meine Seele, wenn in überſinnlichen Re⸗ gionen ihre Flügel ermüden, findet an der ſüßeſten Bruſt, in der Fülle jugendlicher Schönheit einen neuen, erquicken⸗ den Erdenrauſch. Du freueſt dich überRomeo und Ju⸗ lie,,: biſt du nicht auf den Gedanken gekommen, daß bei dieſem Gedicht der Liebe auch Dichterliebe im Spiel ſei? Ja, mein edler Freund, von der Geliebten habe ich den Stoff und die Stimmung zu jenem Gedichte, das ich mein glücklichſtes Werk nennen kann, mit welchem ich ein neues Indien der Poeſie entdeckt habe. Wenn ich dir nun noch ſage, daß meine Freundin von adeliger Abkunft, hoch über meinem Stande geboren iſt: ſo wirſt du meine Un⸗ ruhe um eine würdige Stellung im Leben begreifen und gelten laſſen. Ich war die ganze Zeit her troſtlos, wie ich dabei zu Werke gehen, wie ich es angreifen ſollte; ich 20*