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30⁵ Händen nicht faſſen, auf dem Ambos nicht ſchmieden kannſt? Dennoch zücken ſie aus unbekannten Höhen nie⸗ der, und ich möchte behaupten, gerade Licht, Wärme und welche unkörperlichen Kräfte ſonſt die Natur lebendig machen, ſind das Schaffende in ihr, und bringen, ſelbſt ewig, das Vergängliche hervor, das man ſo hoch ſchätzt. So nenne denn meinethalben deine Poeſie, wenn ſie nicht für ein Wirken gelten ſoll, ein Schaffen, ein Her⸗ vorbringen. Hat die Gottheit, oder haben die von ihr beauftragten Weltgeiſter, nicht gewirkt, weil ſie die Welt nicht mit der Schaufel zuſammengebracht, mit dem Schwerte geordnet haben? Wirken ſie weniger unaufhörlich, weil ſie den erhaltenden, erneuernden Kräften nicht Brief und Siegel ausfertigten, den Naturgeſetzen keine Monopole ausſtellen, über welchen ein Staatsſecretair geſchwitzt hat und ein Sherif wacht? Nach dem Evangelium des Jo⸗ hannes war im Anfange das Wort. Sieh, von daher ſtammt die Poeſte, die mit dem ſchaffenden Worte belehnt iſt, in unmittelbarer Geſchlechtsfolge, und dein ſo gerühm⸗ tes Wirken leitet ſich erſt von dem ab, was das Wort gewirkt hat, iſt, ſo zu ſagen, ein Afterlehn. Wer wirkt eigentlich im höhern Sinne, als nur der Dichter, der, wie geſagt, mit einem Lehn des urſprünglich⸗ſchaffenden Wortes begnadigt, dte erſtgebornen Gedanken und Ge⸗ fühle immer wieder hervorruft, und ſo die alternde, ver⸗ derbende Gemüthswelt zur rechten Zit verjüngt und erfriſcht? Dieſ Andern wirken nicht ſowol, ſondern wälzen nur die Maſſen des Lebens, wickeln nur die Fäden des Lehens auf und ab. Die Menge freilich ſchätzt die Dinge nach ihrem gemeinen Nutzen, weil eben die

Koenig, William Shakſpeare. I. 20