Jahrgang 
1
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Zweites Kapitel.

Thekla hatte keine genau überlegte Richtung; nicht nur weil ſie den Gedanken der Flucht zu kurz und zu raſch gefaßt hatte, ſondern weil ſie überhaupt bei leichtem, hei⸗ term Sinne lieber einer lebhaften Empfindung, als ge⸗ meſſenen Abſichten folgte. Nachdenken und Ueberlegen, wenn ein Umſtand es verlangte, verſetzte ſie leicht in Angſt und Ungeduld; dann ergriff ſie gewöhnlich die nächſte Abhülfe, welche ihre Phantaſie anbot, und gerieth dadurch oft genug in noch tiefere Verwirrung. So hatte ſie jetzt, von Lasko's Zudringlichkeit geängſtigt, den Gedanken der Flucht in dieſem London gefaßt, wo ſie mit Menſchen und Verhältniſſen viel zu wenig bekannt war, um irgend etwas Berechnetes und Planmäßiges zu unternehmen. Indeß ohne alle Abſicht verließ Thekla das Haus nicht. Sie hatte die erſte Woche nach der Ueberfahrt aus den Nie⸗ derlanden mit ihrer damals ſchon kränklichen Schweſter zu Greenwich bei einer verſtändigen Witwe zugebracht; wäh⸗ rend Albert von Lasko voraus nach London gegangen war, um erſt im Stillen die Lage der Dinge einzuſehen und eine Wohnung einzurichten. An jene heitere Wirthin wollte ſich Thekla wenden, um Rath und Beiſtand zum Weiterkommen zu finden. Ihr Wunſch war, über die Niederlande nach dem Rhein zurückzukehren, wozu ſie den Schmuck der Schweſter an ſich genommen hatte. Nun