302 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher. „
Wild's Piſtole durchbohrte ſein Herz und eine Musketenſalve ſchlug in die noch athmende Bruſt ſeines Anführers. Blauhaut war jedoch nicht ohne Beiſtand. Tauſend begierige Helfershelfer drängten ihm nach. Jack's Körper ward ergriffen und wanderte von Hand zu Hand über tau⸗ ſend Köpfe fort, bis er weit von dem verhängnißvollen Orte entfernt war.
Der Schrei des Unwillens, das furchtbare Geheul, das ſich jetzt erhob, übertrifft alle Beſchreibung. Ein wüthender Angriff ward auf Jonathan gemacht, der ſich zwar wie ein Löwe vertheidigte, aber doch ſchwer verwundet ward und unvermeidlich umgekommen wäre, wenn die Wachen ihn nicht vertheidigt und ſowohl Säbel als Feuerwaffen ange⸗ wandt hätten, um ihn vor dem Pöbel zu ſchützen. Endlich ward er ſeinen Angreifern entriſſen,— doch nur um fieben Monate ſpäter in aller Schande an eben demſelben Galgen, an den er ſein Opfer gebracht hatte, ſein Leben zu büßen. Unterdeſſen ward Jack Sheppard's Körper von jener furchtharen Schaar, welche ſich wie die Wellen des Ozeans hob und ſank, fortgetragen, bis er vas Ende der Edgeware⸗ ſchen Landſtraße erreichte.
An dieſer Stelle ſtand ein Wagen mit reichbekleideten Bedienten. Am Schlage wartete ein vornehm gekleideter junger Mann mit einer Maske vor dem Geſicht und ſpornte die Menge durch Wort und Geberde an. Endlich gelangte der Körper zu ihm. Der junge Mann ließ ihn ſogleich in den Wagen heben, warf den Schlag zu und befahl ſeinen Bedienten, fortzufahren. Sie gehorchten, und die Pferde galloppirten die Edgewareſche Landſtraße entlang.
Ein halbe Stunde ſpäter ward Jack's Körper ſorgfältig unterſucht. Er war noch vor dem Tode abgeſchnitten wor⸗ den, aber eine Soldatenkugel hatte ſein Herz durchbohrt. So ſtarb Jack Shepypard.
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