298 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher.
In dieſem Augenblicke trat der Wirth der Krone, ein munter ausſehender, beliebter Mann mit einer weißen Schürze, aus dem Hauſe und trug einen großen hölzernen Becher voll Bier, den er Jack anbot. Dieſer nahm ihn ſogleich an, er⸗ hob ihn in der rechten Hand und mit einem Blick auf den Balkon, wo die Damen ſaßen, bat er um Erlaubniß, auf ihre Geſundheit trinken zu dürfen; dann wandte er ſich gegen Kneebone und die andern, die ihm die Hände reichten, und ſetzte ihn an die Lippen. Er wollte ihn eben leeren, als er Jonathan's Baſiliskenblick begegnete und inne hielt.
„Ich laſſe den Becher für Sie zurück,“ rief er und gab ihn dem Wirth ungekoſtet wieder.
„So hat dein Vater auch geſagt,“ erwiederte Jonathan boshaft,„und doch hat er ſo lange warten müſſen.“
„Sie werden hier einſprechen, ehe ſechs Monate um ſind,“ verſetzte Jack mit ſcharfem Tone.
Der Zug ſetzte ſich wieder in Bewegung, ging an der St. Gileskirche vorbei, deren Glocken unaufhörlich läuteten, und kam auf die Orfordſtraße oder, wie ſie damals häufig genannt wurde, die Tyburnſtraße. Als ſie an der Straße nach Tottenham⸗Court vorüber waren, hatten ſie nur noch ſehr wenigg Häuſer zur Rechten, und hinter der Wardour⸗ ſtraße war Alles offenes Feld.
Die Menſchenmaſſe zerſtreute ſich jetzt über die Aecker, und man ſah Tauſende ſo ſchnell, als ihre Beine ſie tragen wollten, über die Hecken ſetzen, alle Hinderniſſe auf ihrem Wege niedertreten und nach Tyburn eilen.
Außer denen, welche ſich auf friedfertigere Art benah⸗ men, bemerkten die Führer des Zugs mit großer Unruhe beträchtliche Banden bewaffneter Männer mit Stöcken, Knit⸗ teln und andern Waffen, die in derſelben Richtung quer⸗ feldein dahinrannten. Da man ein Unglück befürchtete, ſo erbot ſich Wild, mit einer kleinen Abtheilung vorauszu⸗
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