20 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher.
„Was mich betrifft,“ bemerkte Miſtreß Wood,„ſo habe ich nichts anderes von ihm erwartet, und ich wundere mich nur, daß er noch nicht für ſeine Verbrechen hat baumeln müſſen. Der Galgen wartet ſchon ſeit Jahren auf ihn. Uebrigens habe ich für ſeine Mutter gar kein Mitleid. Es iſt ihr ganz recht geſchehen.“
„Sagen Sie das nicht, liebe Mutter,“ verſetzte Wini⸗ fred.„Eine von den Folgen eines verbrecheriſchen Lebenswan⸗ dels iſt die Schande und Schmach, welche er, empfindlicher als jede Strafe, welche über den Uebelthäter verhängt werden kann, auf die unſchuldigen Verwandten häuft; und wenn Jack dies berückſichtigt hätte, ſo würde er vielleicht anders gehandelt und nicht ſo viel Elend über ſeine unglück⸗ liche Mutter gebracht haben.“
„Mir iſt Miſtreß Sheppard immer zuwider geweſen,“ rief Miſtreß Wood mit Bitterkeit,„und ich ſage noch ein— mal, Bedlam iſt viel zu gut für ſie.“
„Meine Liebe,“ meinte Wood,„du ſollteſt doch nach⸗ ſichtiger ſein.—“
„Nachſichtig!“ wiederholte ſeine Frau,„das iſt ewig dein Stichwort. Ei! ſeht mir doch! Ich bin noch viel zu nachſichtig geweſen. Da treibt Winny dich immer, hinzugehn und Miſtreß Sheppard im Hoſpital zu beſuchen, und ihr dieß mitzunehmen, und das hinzuſchicken;— und ich habe nie ein Wort dagegen geſagt, obgleich ſolche mißverſtandene Menſchenfreundlichkeit einen Heiligen erboßen könnte. Und dann muß fie dir wahrhaftig auch noch abreden, Jack Shep⸗ pard wegen des Einbruchs in der Wychſtraße hängen zu laſſen, was du doch gekonnt hätteſt. Du nennſt das vielleicht Menſchenfreundlichkeit; ich nenne es aber, der Gerechtigkeit ins Geſicht zu ſchlagen. Sieh dich vor, was für ein Unge⸗ heuer von Schurken du gegen die Welt losgelaſſen haſt!“ „Gewiß, Mutter,“ verſetzte Winifred,„wenn Einer


