14 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher.
Der junge Mann dankte ihm für ſeine Nachweiſungen und wollte ihnen eben Folge leiſten, als Jener ihm nachrief:
„Noch eins, Sir; haben Sie je von Herrn Wood ſeinem berüchtigten Lehrling erzählen gehört?“
„Von welchem Lehrling?“ fragte der Fremde erſtaunt.
„Nun, von Jack Sheppard, dem bekannten Einbrecher, derſelbe, der halb London geplündert hat. Sie müſſen wiſſen, Sir, als er noch ein Knabe war, brach er bei ſeinem Herrn in der Wychſtraße ein und am Tage drauf beſtahl er einen Gentleman in unſrer Kirche, während des Gottesdienſtes,— das that er, der Heide. Der Gentleman ertappte ihn dabei und zur Sicherheit ſperrten wir ihn in dies Gefängniß ein. Aber,“ fuhr er lachend fort,„es dauerte nicht lange, ſo war er ausgeflogen. Seit der Zeit, daß er ſo berühmt ge⸗ worden iſt, haben die Leute hier in der Gegend es Jack Sheppard's Käfig getauft. Seine Mutter pflegte in dieſem Dorf zu wohnen, hier dicht bei, aber als ihr Sohn auf ſchlechte Wege gerieth, verlor ſie den Verſtand,— und jetzt
iſt ſie in Bedlam, habe ich gehört.“
„Ich will dir was ſagen, John Dump,“ ſagte der andre, welcher bisher geſchwiegen hatte,„ich weiß nicht, ob dein Gerede über Jack Sheppard es mir in den Kopf geſetzt hat oder nicht; aber ich habe ihn mir mal zeigen laſſen, und wenn er das geweſen iſt, den ich damals geſehn habe, ſo iſt er jetzt bei uns vorbei geritten und in den Sechs Glocken ab⸗ geſtiegen.“
„Den Teufel auch!“ rief Dump.„Wenn du das gewiß
wüßteſt, ſo könnten wir ihn fangen und uns die Belohnung
geben laſſen.“
„Das wäre nicht ſo leicht, wie es ausſieht,“ erwiederte der Landmann,„Jack iſt ein verzweifelter Burſche und immer gut bewaffnet, und dann hat er auch einen Kameraden bei ſich. Aber ich will dir ſagen, was wir thun könnten—“
————


