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8 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher.
ſo werden Sie ihn beſtimmt antreffen. Ich ſprach ihn geſtern noch und er ſagte mir, er würdezacht Tage lang nicht aus dem Hauſe gehn. Er beſuchte mich auf dem Rückwege von einem Beſuch in Bedlam bei der armen Miſtreß Sheppard.“
„Jack's Mutter!“ rief der junge Mann.„Gerechter
Gott!— iſt ſie im Irrenhauſe?“
„Die ſchlechten Streiche ihres Sohnes haben ſie dahin gebracht, Sir,“ antwortete der Tuchhändler traurig.„Ach, daß die Strafe für ſein Vergehen auf ihr Haupt fallen mußte. Arme Seele! ſie wäre bald geſtorben, als ſie hörte, daß er ſeinen Herrn beſtohlen hatte, und es wäre vielleicht gut für ſie geweſen, denn ſie iſt ſeit der Zeit nicht wieder zu Ver⸗ ſtande gekommen. Sie phantaſirt beſtändig von Jack, ihrem Mann und von dem elenden Jonathan, dem ſie, ſo viel ſich aus ihren unzuſammenhängenden Reden abnehmen läßt, ihr ganzes Unglück zuſchreibt. Sie thut mir vom Grund meines Herzens leid. Aber in all ihrem Trübſal hat ſie an Herrn Wood einen treuen Freund gefunden, der für ihre Bequem⸗ lichke it ſorgt und ſie häufig beſucht. Ja, ich habe ihn ſagen hören, wäre es nicht wegen ſeiner Frau, ſo würde er ſie in ſein eignes Haus aufnehmen. So etwas, nenne ich ein guter Samariter ſein.“
Der Fremde antwortete nichts, ſondern niſchte ſich ſchnell eine Thräne aus dem Auge. Als Herr Kneebone ſah, daß er im Begriff war fortzugehn, ſo wagte er die Frage, mit wem er die Ehre habe zu ſpechen.
Ehe der junge Mann hierauf antworten konnte, öffnete ſich eine Nebenthür und ein ſehr hübſches Frauenzimmer von Amazoniſchem Wuchs trat ein und ging vertraulich auf Herrn Kneebone zu. Sie war äußerſt bunt aufgeputzt und ihr um⸗ fangreicher Reifrock ließ ihre hohe Statur noch kraftvoller hervortreten. Sobald ſie des Fremden anſichtig ward, beehrte ſie ihn mit einem höchſt unverſchämten Anſtieren und gab


