2 Dritter Abſchnitt. 1724. Der Gefängniß⸗Brecher.
erſetzen, ließ er ſein eignes dunkelbraunes Haar in ſo üppigen Locken über ſeine Schultern fließen, wie ſie nur je den Höf⸗ ling aus Karls des Zweiten Zeit geſchmückt haben konnten — eine Mode, an deren Wiederheſtellung in unſern Tagen wir keineswegs verzweifeln. Er trug die franzöſiſche Inte⸗ rimsuniform der damaligen Zeit nebſt hohen Reiterſtiefeln und einem Treſſenhut; und obgleich ſeine Kleidung keinen beſtimmten Rang andeutete, ſo hatte er doch ganz das Weſen einer Perſon von Rang. Die Wirkung, welche ſeine gute Miene und ſein männliches Benehmen auf die Vorübergehen⸗ den machte, war ſo groß, daß wenige, beſonders vom ſchönen Geſchlecht, ihm begegneten, ohne ſich nach ihm umzuſehn und dem hübſchen Fremden noch einen Blick nachzuſenden. Des Intereſſes, welches er erregte, unbewußt und nur mit ſeinen eignen Gedanken beſchäftigt, die man voller Hoffnung und Furcht zugleich befunden haben würde, wenn man ſein Inneres hätte unterſuchen können, ging der junge Mann weiter vorwärts, bis er an ein altes Haus mit großen vor⸗ ſpringenden Bogenfenſtern im erſten Stock gelangte, welches
ſo dicht als möglich hinter der St. Clementskirche lag. Hier
blieb er ſtehen und blickte nach einem ungeheuren Ladenſchild
hinauf, auf dem ein buntfarbiger Engel mit ausgebreiteten
Flügeln und einem Olivenzweige gemalt war, welches aber nicht den erwarteten Namen trug, ſondern dieſen: William Kneebone, Tuchhändler.
Die Thränen traten dem jungen Manne in die Augen, als er dieſe Veränderung bemerkte, und er konnte ſich kaum
ſo viel beherrſchen, um die beahſichtigten Nachfragen nach
dem früheren Eigenthümer des Houſes zu thun. Als er in
den Laden trat, kam ihm eine ſtattliche Perſon zum Empfange
entgegen, die er ſofort als den gegenwärtigen Eigenthümer erkannte. Herr Kneebone war nach der neueſten Mode ge⸗ kleidet. Eine vollgelockte Perrücke wallte ihm bis zur Mitte
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