Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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wäre. Hier muß mir dieſer große Schriftſteller bei all' meiner Verehrung die Vermuthung geſtatten, daß er, wie ich glaube, das Faktum außer Acht ließ, wie kurz vor Edward's Tode eine Verſammlung, ſo zahlreich, als ſie nur jemals zu einem Nationalwitan zuſammengekommen, zu dem Zwecke be⸗ rufen worden war, der Einweihung von Edward's großem Lebenswerke der neuen Abtei und Kirche von Weſtminſter anzuwohnen. Dieſe Ver⸗ ſammlung wird ſich in einer ſo kurzen und ängſtlichen Periode wie die der tödtlichen Krankheit des Königs, welche ihn verhindert zu haben ſcheint, der Ceremonie in Perſon beizuwohnen und wenige Tage nachher mit ſeinem Tode endete, gewiß nicht zerſtreut haben, ſo daß während jenes Zwiſchenraumes, der höchſtens eine Woche ausmachte, das ungewöhnlich zahlreiche Zuſammen⸗ treffen von Prälaten und Edlen aus allen Theilen des Reichs eine genügende Menge von Votanten ergab, um dem Witan Beſchlußkraft und Gewicht zu verleihen. Wäre dem nicht ſo geweſen, ſo würden die ſächſiſchen und noch mehr die normänniſchen Chroniſten wohl ſchwerlich unterlaſſen haben, über die Unrechtmäßigkeit der Wahl ihre Bemerkung zu machen, während kein Wort über die mangelnde Vollzähligkeit des Witan laut wird, und die zwei großen Fürſtenthümer Northumbrien und Mercia durch Harold's neuliche Heirath mit der Schweſter der beiden Earls an ihn gefeſſelt waren.

Auch darf nicht vergeſſen werden, daß wenige Monate früher ein ſehr zahlreicher Witan zur Aburtheilung von Toſtig's und Morcar's rivaliſirenden Anſprüchen zu Orford geſeſſen hatte; die Entſcheidung des Witan beweist die Ausſöhnung der beiden Parteien Harold's und der jungen Earls, ratificirt durch ſeine Vermählung mit Aldythen. Wer ſich ſchon bei Parteikämpfen und Kabalen thätig betheiligt hat, wird die Wahrſcheinlichkeit der in meinem Romane aufgeſtellten Behauptung zugeben, daß die leitenden Häuptlinge mit Rückſicht auf Edward's Alter und Schwächlichkeit, wie nicht minder bei der dringenden Nothwendigkeit, die Anſprüche auf die Thronfolge im Voraus zu beſtimmen zu einem wirklichen wenn auch geheimen Einverſtändniſſe gelangt waren. Es iſt ein gewöhnlicher Irrthum in der Geſchichte, ein Ereigniß als ein plötzliches anzunehmen, was ſchon der Natur der Dinge nach kein plötz⸗ liches ſeyn kann. Alle Maßregeln, welche Harold den Weg zum Throne bahnten, mußten ſchon lange vor dem Tage, da ihn der Witan unanimi om- nium consensu** erwählte im Stillen angezettelt geweſen ſeyn.

Das Ergebniß meiner Unterſuchung aller Memoiren jener Zeit ſtimmt

* Edward ſtarb am 5. Januar; Harold's Krönung ſoll am 12. ſtattge⸗ funden haben, doch iſt über das genaue Datum kein eſedidendes⸗ Zeugniß vorhanden. Einige geben ſogar zu verſtehen, er ſey den Tag nach Edward's Tode gekrönt worden, was doch kaum möglich iſt.

* Vit, Harold. Chron. Angl. Norm.

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