Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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ließ, was eine virtuelle Aufhebung jenes Verſprechens war und wogegen William keine Klage oder Vorſtellung einreichte, überhaupt keinen Schritt zur Durchſetzung des Gelöbniſſes that.

Zweitens Godwin, Siward und Leofric hatten William den Lehens⸗ eid geleiſtet.

Dies ſcheint eine Fabel ohne alle Begrindung. Wann ſollte dieſer Eid geleiſtet worden ſeyn? Sicherlich nicht nach Harold's Beſuche, denn da⸗ mals waren ſie alle todt. Bei Edward's Thronbeſteigung? Dem widerſpricht offenbar die Stipulation, welche Godwin und die Häupter des Witan ſtellten, daß Edward nicht mit normänniſchen Helfern kommen dürfe, ſowie die offen⸗ kundige Eiferſucht gegen die Normannen, die ſie mit dem ganzen engliſchen Volke gemein hatten, welches Ethelred's Vermählung mit der Normannin Emma als Urſache der größten Calamitäten betrachtete; ihm widerſpricht endlich Edward's Verheirathung mit Godwin's Tochter eine Ehe, welche, wie der Earl natürlich glaubte, dem Throne geſetzliche Erben geben würde. In dem Zeitraum zwiſchen Edwards Thronbeſteigung und Godwin's Ver⸗ bannung? Nein; denn alle engliſchen wie auch die normänniſchen Chro⸗ niken ſtimmen darin überein, daß Godwin und ſein Haus den normänniſchen Günſtlingen das höchſte Uebelwollen bewieſen habe, während er dieſe, wenn er William's Nachfolge geahnt oder ſich auf irgend eine Art gegen ihn verbind⸗ lich gemacht hätte, natürlicherweiſe weit milder behandelt haben würde. God⸗ win's Verbannung war vielmehr gerade das Reſultat ſeines Bruches mit den Ausländern. Bei Williams Beſuche in England? Nein; denn der fand während Godwins Verbannung ſtatt und ſelbſt diejenigen Schriftſteller, welche Edwards früheres Gelübde anführen, erklären, daß damals über die Thronfolge nichts geſprochen wurde.

So ſcheinen denn die normänniſchen Chroniſten das Datum dieſes vorge⸗ gebenen Eides auf Godwins Rückkehr aus der Verbannung zu beziehen, da ſie behaupten, die Geiſeln ſeyen als Unterpfand hiefür gegeben worden. Das iſt von Allem die monſtröſeſte Annahme, denn auf Godwin's Rückkehr folgt unmittelbar die Verbannung der normänniſchen Günſtlinge die gänzliche Niederlage ihrer Partei in England das Dekret des Witans, daß alle Un⸗ ruhen in England von den Normannen herrühren und der triumphirende Aufſchwung von Godwin's Hauſe. Läßt ſich da auch nur einen Augenblick lang annehmen, der große engliſche Earl habe ſich damals zu dem Verſprechen herbeigelaſſen, die Herrſchaft eben der Partei zu übertragen, die er vertrieben, und ſich und ſeine Anhänger der Rache eines Feindes auszuſetzen, den er für den Augenblick völlig zu Boden getreten hatte und den er auf dieſe Art ohne irgend einen Plan oder Beweggrund zu ſeinem eigenen wahrſcheinlichen Verderben in die Macht wieder eingeſetzt hätte?