Teil eines Werkes 
73/77 (1848) Harold, der letzte Sachsenkönig : historischer Roman / von Edward Bulwer Lytton. Aus d. Engl. von Eduard Mauch
Entstehung
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ziemlich ähnliche Träume veranlaßt hätten. Für die Anhänger des Magnetis⸗ mus muß ich noch beifügen, daß nur von Wenigen beobachtet wurde, bis zu welchem Grade der Somnambulismus durch gewiſſe chemiſche Mittel geſteigert zu werden ſcheint; und wer etwa nicht an dieſes Agens glaubt, dagegen mit jenen jetzt vernachläſſigten Spezereien, denen die Arzneikunde des Mittelalters eigenthümliche Kräfte zuſchrieb, ſchon früher experimentirt hat, wird wohl die mächtige und ſo zu ſagen ſyſtematiſche Wirkung nicht abläugnen wollen, welche gewiſſe Stoffe auf die Einbildungskraft ſehr reizbarer Nervenkranken äußern.

M. Hilda's Beſchwörungen.

I.

Beim Urdarquell täglich Aus Baches Gebrüll,

Die Nornen beſprengen Den Baum Ygg⸗Draftill.

Der Baum Ygg⸗Draſill.

Die ſkandinaviſchen Forſcher haben viel Gelehrſamkeit aufgeboten, um die Symbole zu bezeichnen, welche unter der Mythe des Ygg⸗Draſill oder großen Eſchenbaumes verſteckt ſeyn ſollen. Ich will den Leſer nicht damit langweilen, beſonders da große Syſteme auf ſehr kleine Vorlagen gebaut wurden und die aufgewendete Gelahrtheit ebenſo ſinnreich als unbefriedigend war: ich will mich mit Anführung der einfachen Mythe begnügen.

Der Ygg⸗Draſill hat drei Wurzeln; zwei entſpringen in den unter⸗ irdiſchen Regionen, d. h. in der Heimath der Froſtrieſen, in Nifflheim (Nebelheim oder Hölle) die dritte in dem himmliſchen Wohnſitze der Aſen. Seine Zweige, ſagt die Edda, breiten ſich über das ganze Weltall; ſeinen Stamm trägt die Erde. Unter ſeiner Wurzel, die ſich durch ganz Nifflheim ausbreitet und welche der Schlangenkönig fortwährend benagt, liegt die Quelle, woraus die hölliſchen Ströme fließen. Unter der Wurzel, die in das Land der Rieſen ausläuft, iſt Mimirs Brunnen, worin alle Weisheit verſchloſſen iſt; aber unter der Wurzel, die in dem Lande der Götter liegt, iſt die Quelle Urdas, der Norne hier ſitzen die Götter zu Gericht. Nahe dieſer Quelle ſteht ein ſchönes Gebäude, woraus die drei Jungfrauen Urda, Verdandi und Skulda(Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) hervortreten; ſie begießen den Eſchenbaum täglich aus der Urdaquelle, damit ſeine Zweige nicht abſter⸗ ben. Vier Haſen verſchlingen fortwährend die Knospen und Zweige des Eſchenhaums; auf ſeinen Aeſten ſitzt ein Adler, der in Vielem gar weiſe iſt;